Hameln. Visitation geht auf ein lateinisches Wort zurück. Auf Deutsch heißt das so viel wie Besuch. Visitationen gehören zu den ältesten Aufgaben der Kirche. Bereits der Apostel Paulus suchte die frühen Christengemeinden auf seinen Reisen auf, um sie im Glauben zu bestärken. Luther und Melanchthon hielten die Visitation für wichtig, um die Gemeinden in ihrer reformatorischen Grundhaltung zu bestärken. Bis heute ist sie eine zentrale Aufgabe kirchenleitenden Handels.
„In den Kirchengemeinden und Kirchenkreisen finden in der Regel alle sechs Jahre Visitationen statt“, heißt es in § 2 des Visitationsgesetzes der Evangelischen Landeskirche. In Hameln werden bis Ende September die Stadtkirchengemeinde mit Marktkirche und Münster, St. Annen in Wangelist, die Kirchengemeinde Am Ohrberg und die Kirchengemeinde Zum Heiligen Kreuz im Klütviertel besucht: von einem Visitationsteam unter Leitung von Superintendent Dr. Stephan Vasel, den Pastorinnen Gabriele Mitschke und Eike Fröhlich, Pastor Jan Sören Damköhler und von ehrenamtlicher Seite Gerda Schmalkuche und Dr. Hans-Detlev von Stietencron.
Drei Gottesdienste bilden den Rahmen für die Visitation: Einer zu Beginn am Sonntag, 6. September, um 10 Uhr in Heilig Kreuz mit Pastorin Mareile Glaubitz. Dann der Jubiläums-Festgottesdienst zu 50 Jahre Ökumenisches Kirchenzentrum Klein Berkel am Samstag, 19. September, um 17 Uhr in St. Vizelin, Am Ohrberg. Hier kommen Landesbischof Ralf Meister und für die katholische Seite Dechant i.R. Norbert Hübner. Den krönenden Abschluss der Visitation bildet der Regionalgottesdienst zum wiedererstellten Münsterturm am Sonntag, 27. September, um 11 Uhr im Münster.
„Die Visitation ist ein geschwisterlicher Besuchsdienst, bestimmt durch Wertschätzung und Ermutigung. Sie soll die Arbeit und das geistliche Leben in den Kirchengemeinden wahrnehmen und Arbeitsziele zu formulieren“, erläutert Superintendent Vasel. Er sieht die Visitation vor allem als ein Entwicklungs- und Beratungsinstrument für die Kirchengemeinden.
„Wir machen uns ein Bild der Situation vor Ort. Dazu besuchen wir beispielsweise auch Kita-Andachten, den Konfirmandenunterricht sowie Senioren- und Frauenkreise. Wir möchten wissen, wie es den Gemeinden geht und wo sie Unterstützung benötigen“, betont der Superintendent. Kleine Glanzlichter bei der Visitation sind der Besuch des Café 50 am 10. September um 15 Uhr im Ökumenischen Zentrum Am Ohrberg. Ein Orgelkonzert für Familien steht am 20. September um 15 Uhr in Heilig Kreuz auf dem Programm - sowie am selben Tag ein Lagerfeuer-Gottesdienst mit einem Grundschulchor um 17 Uhr in St. Annen. Am 27. September um 18.30 Uhr nimmt das Visitationsteam am Turmfest Spirit im Münster teil.
Gelegenheit zu einem Gespräch mit dem Superintendenten haben alle Gemeinde-mitglieder aus den vier visitierten Kirchengemeinden am Donnerstag, 16. September, von 18 bis 19.30 Uhr im Gemeindehaus Heilig Kreuz, Papengösenanger 12, in Hameln.
Zur Visitation zählen auch Überprüfungen der Kassen, der Zustand von Gebäuden, Orgeln und des Kirchenarchivs. Daraus folgen Zielvereinbarungen mit dem Kirchenvorstand. Ein Jahr später wird überprüft, wie diese Vereinbarungen in die Praxis umgesetzt wurden. Harald Langguth