„Die liberale Demokratie unter Druck“ heißt der Vortrag von Prof. Dr. Detlef Pollack. Deutschlands führender Religionssoziologe spricht am Donnerstag, 17. September, vor geladenen Gästen beim Jahresempfang des Kirchenkreises Hameln-Pyrmont um 18 Uhr im Münster St. Bonifatius. Die liberale Demokratie in Deutschland sei durch äußere und innere Kräfte herausgefordert wie seit langem nicht. „Das hat der Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt gezeigt“, betont Detlef Pollack, der viele Jahre an der Universität Münster einen Lehrstuhl für Religionssoziologie innehatte. In seinem Vortrag geht er unter anderem diesen Fragen nach: Was verändert sich gerade politisch und gesellschaftlich bei uns? Worin liegen die Gründe für das Erstarken des Rechtspopulismus und was sind seine möglichen Wirkungen? Haben wir es mit einem Angriff auf das westliche Gesellschaftsmodell zu tun?
Weiter setzt sich Professor Pollack mit den aktuellen Herausforderungen für unsere westliche Gesellschaftsordnung auseinander. Er geht beispielsweise der Frage nach, was demokratische Kräfte zur Stabilisierung dieser Ordnung unternehmen können und welche Rolle die Kirche in den aktuellen Kämpfen und Auseinandersetzungen spielt. „Wie prägen die Glücksversprechen der Aufklärung unser modernes Leben? Und woher kommt das Unbehagen an der Moderne, das sich unter anderem im Erstarken des Rechtspopulismus äußert? Ich freue mich sehr, dass wir in diesem Jahr Prof. Dr. Detlef Pollack als Redner gewinnen konnten“, betont Dr. Stephan Vasel, Superintendent im Kirchenkreis Hameln-Pyrmont. „Detlef Pollack wird mit uns Tiefendimensionen der gesellschaftlichen Entwicklung ausloten und Analysen zu Fragen anbieten, die gerade viele sehr sorgenvoll umtreiben.“
Anschließend sind alle geladenen Gäste zum gemeinsamen Austausch eingeladen. Namensschilder wirken dabei unterstützend. Die Hamelner Kantorei unter Leitung von Kirchenkreiskantor Stefan Vanselow begleitet den Jahresempfang musikalisch. Dieser hat bereits Tradition und geht in sein drittes Jahr. 2024 war Professor Dr. Wolfgang Huber, früherer Ratsvorsitzender der EKD und früherer Bischof der Landeskirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz zu Gast im Münster. Sein Vortrag handelte von den ethischen Dimensionen der Digitalisierung. 2025 sprach Militärdekanin Dr. Alexandra Dierks vor dem geladenen Publikum. Dabei stand die Frage im Mittelpunkt, was Aufrüstung bedeutet, um einen Krieg im Sinne eines Angriffs zu verhindern.
Bei den Jahresempfängen ist das Münster – Hamelns größte und älteste Kirche mit einer über 1200-jährigen Geschichte – gefüllt wie zu Heiligabend. Zum Jahresempfang wird man eingeladen. Vertreter und Vertreterinnen aus Politik, Kultur, Wirtschaft, Schulen, Religionen, Handwerk, Kunst, Landwirtschaft, Medizin, Banken, Verwaltung und Kirchen bereichern die Veranstaltung jedes Jahr aufs Neue. „Bei unseren Jahresempfängen zeigt sich Kirche als Knotenpunkt der Gesellschaft. Wir platzieren eigene Themen und stärken damit den zuweilen etwas angeschlagenen öffentlichen Diskurs und damit unsere Demokratie“, unterstreicht Superintendent Vasel. Harald Langguth