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Festgottesdienst im Münster: Eine Kirche vermittelt Heimatgefühle

Nachricht Hameln, 01. Oktober 2026
Superintendent Dr. Stephan Vasel und Dr. Ralph Charbonnier, Theologischer Vizepräsident des Landeskirchenamtes Hannover, beim Einzug ins Münster. Foto: Harald Langguth

Am 27. September fand ein besonderer Festgottesdienst zum Abschluss der Restaurierung des Münster-Westturms mit Dr. Ralph Charbonnier, Theologischer Vizepräsident des Landeskirchenamtes Hannover, im Münster statt. Der Titel lautete: „Christus spricht - Heute ist diesem Hause Heil widerfahren“. Teil des Gottesdienstes war auch der Visitationsbericht von Superintendent Dr. Stephan Vasel als Abschluss des Besuchs der Stadtkirchengemeinde mit Marktkirche und Münster, St. Annen in Wangelist sowie den Kirchengemeinden Am Ohrberg und Zum Heiligen Kreuz im Klütviertel. Für musikalischen Genuss sorgten Werke von Wolfgang Amadeus Mozart und Felix Mendelssohn Bartholdy. Wunderschöne Arien dazu sang die Stuttgarter Sopranistin Gudrun Ederer. Die musikalische Leitung lag bei Kirchenkreiskantor Stefan Vanselow. Pastorinnen, Pastoren und Diakone aus den visitierten Gemeinden gestalteten gemeinsam den Gottesdienst.

Liebevoll vorbereitete Gottesdienste

Im September war das Visitationsteam mit Superintendent Dr. Stephan Vasel, Hans von Stietencron, Gerda Schmalkuche, Pastorin Gabriele Mitschke, Pastor Jan Sören Damköhler und Pastorin Eike Fröhlich sehr intensiv in den Gemeinden der ehemaligen Region 2 unterwegs gewesen. Es hatte dabei viele Einblicke in die unterschiedlichsten Felder des gemeindlichen Lebens erhalten. Dazu gehörte eine große Vielfalt an Gottesdiensten in den Gemeinden, die durchweg liebevoll und theologisch kompetent vorbereitet und gestaltet wurden. Dabei gab es traditionelle und moderne Formate. So waren Ende September um die 200 Jugendliche im Münster zu einem Jugendgottesdienst. „Wir haben ein Tauffest an der Weser erlebt, einen sehr runden Auftaktgottesdienst zur Visitation in Heilig‘ Kreuz, einen sehr gut besuchten Kindergottesdienst und einen Lagerfeuergottesdienst in Wangelist, einen Kindergarten-Gottesdienst, ein Feierabendmahl in der Marktkirche, einen Lektorengottesdienst in Klein Berkel sowie einen Lektorengottesdienst mit Taufe in der Marktkirche“, schilderte der Superintendent nur einige der Höhepunkte. Weiter gab es einen großen Festgottesdienst zum 50-jährigen Jubiläum des ökumenischen Zentrums in Klein Berkel mit Landesbischof Ralf Meister.

Orgelkonzert für Familien in Kooperation mit Schule

Auch Veranstaltungen des Kirchenkreises lagen in dieser Zeit wie der jährliche Gottesdienst zum Ausbildungsbeginn im Handwerk oder der Jahresempfang mit Prof. Dr. Detlef Pollack. Dieser sprach aus soziologischer Perspektive zum Thema „Die liberale Demokratie unter Druck“ und ging dabei der aktuellen Frage nach, was der Beitrag der Kirchen in diesem Zusammenhang sein kann. Weiter gab es eine Tagung der Liturgischen Konferenz Niedersachsens im Münster zu Fragen rund um den Gottesdienst. „Musikalisch konnten wir die Hamelner Kantorei beleben, aber auch Formate wie das Hordenträllern oder das Mitsing-Ding. Wir erlebten Gottesdienste mit Orgel, Band, Gitarre, Violine, Chor, Sologesang und zum Beispiel auch ein Orgelkonzert für Familien in Kooperation des Kirchenkreiskantors mit einer Schule“, berichtete Stephan Vasel.

Die Vielfalt in Gottesdienst und Musik ziehe sich durch viele andere Bereiche des gemeindlichen Lebens. Es gebe in der Region eine große Zahl von Angeboten für unterschiedliche Menschen. Kinder, Jugendliche, Männer, Frauen, Seniorinnen und Senioren. „Wir waren bei vielen Gruppen und Kreisen zu Gast, haben jugendgerechten Konfirmandenunterricht und seniorengerechte Kaffeerunden erlebt und Schulleiterinnen und Schulleiter, die sich dafür bedanken, dass es so gut mit den Schulgottesdiensten läuft“, betonte der Superintendent.

Visitation sorgte für viel Schwung

Die Visitation wird im Wesentlichen durch einen Bericht gesteuert, den die Gemeinden vorab schreiben. Als Vorbemerkung ist darin zu lesen, dass es sich bei der Region 2 um eine Region handelt, „in der die Regionalisierung nicht sehr weit fortgeschritten ist.“ „Wenn ich auf die Begegnungen der vergangenen drei Wochen schaue, so hat sich in diesem Feld viel bewegt. Es gibt inzwischen viel Schwung, sich stärker miteinander auf den Weg zu machen und neue Formen zu suchen“, bekräftigte Vasel. Er betrachtet die Visitation als Chance, Akteure miteinander ins Gespräch zu bringen, die sich heute und in Zukunft gegenseitig stärker brauchen als dies in der Vergangenheit der Fall war.

Das Münster – ein Segen für Menschen und Stadt

Zu den Aufgaben eines Theologischen Vizepräsidenten gehört auch die Visitation, erfuhren die Gottesdienstbesuchende. Dr. Ralph Charbonnier schilderte in seiner Predigt die vielen Bezüge und Gemeinsamkeiten von Münster und Stadt Hameln: Kontinuität durch die Zeitläufte als Keimzelle der Stadt, Integration des Münsters im Wappen der „säkularen Stadt und multireligiösen Gesellschaft“. Gemeinsamkeiten für das Zusammenwachsen von Stadt und Münster machte Charbonnier in der biblischen Geschichte von Zachäus und Jesus aus, nachzulesen bei Lukas 19. Im Versuch des kleingeratenen Zachäus, Jesus in einer Menschenmenge zu sehen, indem er auf einen Baum kletterte, sah der Theologische Vizepräsident auch eine Mutmacher-Geschichte für Kinder. Gegenseitig Menschenwürde erfahren ist für Charbonnier eine Erkenntnis daraus: „Der eine, Zacharias, sucht mit Leidenschaft Jesus. Der andere, berührt davon, lässt sich darauf ein.“

Kirche und Stadt sind für den Theologischen Vizepräsidenten ebenfalls zwei Protagonisten, die sich gegenseitig brauchen. „Solidarisch sein und teilen: Dafür steht Kirche in der Stadt Hameln. Wie Zachäus, der die Hälfte von seinem Besitz zurückgibt – und vierfach denen, die er betrogen hatte. Rückgabe statt Raub – Reichtum teilen, statt horten.“ Dieselbe Erzählung geschehe seit Jahrhunderten in den Mauern des Münsters – gegenseitige Ermutigung der Menschen in den Gottesdiensten, das Teilen von Geld über die Kollekte. „Heimatgefühl – wenn Kirche das vermittelt, dann haben wir einen Schatz in dieser Kirche und in der Stadt“, sagte Charbonnier. Seit 1200 Jahren sei das Münster Heimat für die Menschen, präge das Leben und die Stadtkultur. „Wenn wir uns hier heimisch fühlen, ruht der Segen des Herrn auf uns“, erklärte Charbonnier. Das Münster sei daher ein Segen für die Menschen und Hameln. Red./Harald Langguth