KV

Handwerksberufe gelten mit Blick auf KI als sicher

Nachricht Hameln, 23. September 2026
Farbenprächtiger Umzug mit der Hemeringer Brass Band durch Hamelns City vor der Einschreibfeier im Münster. Foto: Harald Langguth

Jörg Dittrich ist nicht nur Dachdeckermeister in Dresden mit 100 Mitarbeitenden, sondern auch Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks. In einem Interview auf tagesschau.de betonte er kürzlich, dass KI die Jobs im Handwerk nicht bedrohe, sondern unterstütze. Der Befehl an den Chatbot „Bau das Haus fertig“ wird von ihm meistens beantwortet mit „Ich kann Dir bei der Planung helfen – aber nicht bei der Durchführung.“ Handwerksberufe gelten mit Blick auf KI als besonders sicher. Diese wahre Geschichte erzählte Superintendent Dr. Stephan Vasel am 19. September in seiner Predigt zur Einschreibfeier des Hamelner Handwerks im Münster.  Zuvor war ein farbenprächtiger Umzug durch die Altstadt mit der Hemeringer Brass Band über die Bühne gegangen – gefolgt von den Innungen mit Fahnen und Schildern. Anschließend traf man sich zum überkonfessionellen Gottesdienst im Münster. Die Feier symbolisiert die Aufnahme der neuen Auszubildenden in das Handwerk. Traditionell wird das am Kirchenaltar mit einem Schluck aus dem Innungskrug besiegelt.

Mit 197 neu registrierten Ausbildungsverträgen verzeichnet das Handwerk auch 2026 eine gute Anzahl an Berufseinsteigern. Kreishandwerksmeister Wilhelm Bente zeigte sich mit dieser Entwicklung zufrieden. „Die schöne Kirche ist heute rappelvoll – sie genießt eine besondere Beliebtheit bei uns.“ Er zitierte aus einem Werbespot des Handwerks: „Ich ziehe keine Mauern hoch – ich baue Gott ein Haus.“ Handwerker hätten die Kirche gebaut – ohne Handwerker sei sie nicht denkbar. Er beglückwünschte die jungen Leute zu ihrer Wahl. „Tradition und Innovation treten ab sofort in Ihr Leben. Mit der Handwerksausbildung haben Sie eine gute Wahl getroffen.“ Stephan Vasel pflichtete ihm bei: „Das Münster ist ein Ort herausragender Handwerkskunst. Das kann man gerade gut an der Sanierung des Turms zu seiner Bekrönung sehen.“ Menschen, die handwerklich etwas können, würden von der Gesellschaft gebraucht.

Eine ähnliche Formulierung benutzte auch Hameln-Pyrmonts Landrat Dirk Adomat. „Sie sind die Fachkräfte von morgen. Alle Menschen wissen – Sie werden gebraucht.“ Das Handwerk sei das Fundament einer guten, regionalen Wirtschaft. Es vermittele Teamgeist, Zuverlässigkeit und Erfahrung. Adomat erinnerte an die duale Ausbildung in den Betrieben und an den Berufsschulen: „Die einen vermitteln die Praxis, die anderen die notwendigen theoretischen Grundlagen. Beides gehört zusammen.“ Sein Schlussappell: „Bitte bleiben Sie nach Ihrer Ausbildung dem Landkreis Hameln-Pyrmont erhalten.“

Hamelns Oberbürgermeister Claudio Griese erinnerte in seiner Rede an das Handwerk als die Wirtschaftsmacht von nebenan. Er hole sich seine Brötchen vom Bäcker und nicht die Aufbackware aus dem Supermarkt. „Qualität und Herzblut – das ist entscheidend für die Zukunft des Handwerksberufs. Ihr begebt euch bei euren Ausbildern in gute Hände“, sagte Griese und wünschte den jungen Menschen viel Spaß und Zuversicht bei ihrer beruflichen Zukunft im Handwerk.

„Sanieren, reparieren, installieren – dafür braucht man seine Hände und ganz viel Fachwissen. Das werden Sie von Ihren Ausbildern vermittelt bekommen“, betonte Ehrenkreislehrlingswartin Karin Echtermann, die selbst viele Jahre als Friseurmeisterin selbstständig war. „Wir brauchen Sie alle – auch unsere ausländischen Mitarbeitenden.“

Anschließend traten die jeweiligen Innungen vor den Altar. „Mit dem Schluck aus dem Innungskrug werdet ihr als Lehrlinge aufgenommen. Das ist eine über 1000 Jahre alte Tradition“, bekräftigte Wilhelm Bente. Ein besonderes Zeugnis davon ablegen konnten die Bäcker - sie tranken aus einem Innungskrug von 1189. Harald Langguth