Es ist einfach eine schöne Sitte: Zur Einschreibfeier der Kreishandwerkerschaft Hameln-Pyrmont finden ein Umzug, eine Feier und ein überkonfessioneller Gottesdienst im Münster statt. Bereits zum 18. Mal ist der Brauch für die Rattenfängerstadt dokumentiert. Die Zeremonie der Einschreibfeier beginnt am Samstag, 19. September, um 14.30 Uhr mit einem nach Innungen sortierten Umzug, begleitet von der Hemeringer Brass Band. Start ist an der Elisabeth-Selbert-Schule am Münsterkirchhof. Dann geht es durch die Fußgängerzone zur Marktkirche und zurück zum Münster, wo um 15 Uhr der Gottesdienst beginnt. Die Feier symbolisiert die Aufnahme der neuen Auszubildenden in das Handwerk. Traditionell wird das am Kirchenaltar mit einem Schluck aus dem Innungskrug besiegelt.
Mit der Einschreibfeier dokumentiert das heimische Handwerk den hohen Stellenwert, den heute eine fundierte Ausbildung im Handwerk bietet. Mit 197 neu registrierten Ausbildungsverträgen verzeichnet das Handwerk auch 2026 eine gute Anzahl an Berufseinsteigern. Kreishandwerksmeister Wilhelm Bente ist mit der Entwicklung zufrieden: „Die Entscheidung für eine fundierte handwerkliche Ausbildung verdient großen Respekt. Ich freue mich darüber, dass der Stellenwert des Handwerks wieder stärker in das Bewusstsein der jungen Menschen rückt,“ bekräftigt er und gratuliert allen Auszubildenden zu ihrer Entscheidung für einen Beruf mit Zukunft. Auch einer wachsenden Zahl von Menschen mit Fluchterfahrung biete das Handwerk mit seinem bewährten dualen Ausbildungssystem verlässliche Zukunftsperspektiven.
„Einen Beruf zu ergreifen ist ein wichtiger und schöner Schritt im Leben. Wir feiern den Beginn einer handwerklichen Lehre mit einem Umzug durch die Stadt, einem Gottesdienst und einem geselligen Zusammensein. Die Gesellschaft freut sich, dass junge Menschen erwachsen werden und in Berufe hereinwachsen“, betont Dr. Stephan Vasel, Superintendent im Kirchenkreis Hameln-Pyrmont. Er finde es als Theologe spannend, dass der Berufsbegriff einen stark religiösen Hintergrund aufweise. „Berufung war ein Wort, das man damals auf Menschen bezog, die in Kirche oder Staat Verantwortung trugen. Martin Luther sah das anders. Nicht nur Pastoren und Fürsten, jeder Mensch hat eine von Gott gegebene Berufung und damit einen Beruf“, sagt der Superintendent.
Übrigens: Junge Menschen können auch nach dem 1. August noch einen Ausbildungsvertrag im Handwerk schließen und dann im Oktober oder November eine Ausbildung zu beginnen. Oft gewählte Ausbildungsberufe sind Anlagenmechaniker für Sanitär, Heizung, Klima, Elektroniker und Kraftfahrzeugmechatroniker.
Ein besonderes Merkmal der handwerklichen Ausbildung ist die intensive Begleitung. In die Entwicklung jedes einzelnen Auszubildenden investieren Meister, Gesellen und Lehrkräfte viel Zeit und Erfahrung. Ob Meisterprüfung, Studium, Fort- oder Weiterbildung: Das Handwerk eröffnet zahlreiche Karrierechancen – entweder im Angestelltenverhältnis oder in der Selbstständigkeit. Harald Langguth