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Landesbischof Ralf Meister: "Irgendwann wurde das Wagnis dann Alltag"

Nachricht Hameln, 24. September 2026

Festgottesdienst zu 50 Jahre Ökumenisches Zentrum Klein Berkel

"Lasst uns hoffnungsvoll und mutig den ökumenischen Weg weitergehen", sagte Landesbischof Ralf Meister in seiner Predigt. Foto: Harald Langguth

Hameln. „50 Jahre Ökumenisches Zentrum Klein Berkel. Wir feiern schon das ganze Jahr – heute mit einem Festgottesdienst“, sagte Marion Lind-Stolle zur Begrüßung am 19. September in der vollen St.-Vizelinkirche im Dietrich-Bonhoeffer- Gemeindezentrum. Sie leitet von katholischer Seite das Kirchort-Team. Neben Landesbischof Ralf Meister war auch Dechant i.R. Norbert Hübner bei den Feierlichkeiten anwesend. „Es ist eine lange Zeit, die unsere Gemeinden bereits gemeinsam unterwegs sind. Gemeinsam unterwegs für andere heißt auch unser Motto heute“, berichtete Dietrich Freiherr von Hake. Er ist erster Vorsitzender des Kirchenvorstands der Ev.-luth. Kirchengemeinde Am Ohrberg, zu der das Ökumenische Kirchenzentrum Klein Berkel zählt. Für die musikalische Gestaltung sorgten Adelheid Becker-Foss an der Orgel, der Flötenkreis Klein Berkel sowie das Vokaltrio Adelmo.

„An einem Ökumenischen Zentrum predigen zu dürfen – das ist schon etwas Besonderes“, betonte Landesbischof Ralf Meister in seiner Predigt. Die Frucht für diese Zentren haben 1964 das Zweite Vatikanische Konzil gesät. „Das war der Start, der hier dann mit Leben gefüllt wurde“, erinnerte er. Das seien eine Entscheidung für eine gemeinsame Zukunft und nicht nur ein Bauvorhaben gewesen. Von den ersten Planungen bis zur Einweihung des Ökumenischen Zentrums im Jahr 1976 gingen fast acht Jahre ins Land. Daraus entstand ein Gebäudekomplex, der die Idee der Ökumene auch architektonisch verdeutlicht. Denn das evangelische Dietrich-Bonhoeffer-Haus und die katholische St.-Vizelin-Kirche sind durch ein gemeinsames Dach verbunden.

„Irgendwann wurde das Wagnis dann Alltag“, sagte Meister und dankte allen, die ihren Anteil daran hatten. Weihwasserbecken und Tabernakel zählten zu den Kleinigkeiten, die beide Religionen noch voneinander trennten. „Auch mit dem Weihrauch in der Kirche hätte ich keine Probleme“, bekannte Ralf Meister. Niemand sei nur katholisch oder protestantisch. „Wir sind die Menschen, die wir sind – mit unseren Gaben und Absonderlichkeiten, die Gott uns gegeben hat“, rief der Landesbischof aus. Er betonte weitere Gemeinsamkeiten. Einen einheitlichen Religionsunterricht von katholischen und evangelischen Schülerinnen und Schülern gebe es bislang nur in Niedersachsen. „Da lernen Kinder wie eine Selbstverständlichkeit gemeinsam im Religionsunterricht“, freute sich der Landesbischof.  

Dieses Miteinander spiegele sich für ihn auch in der Emmaus-Geschichte, in der zwei Menschen unterwegs seien, um ihren Glauben und ihre Erfahrungen zu teilen. „Ohne dass sie es merken, gesellt sich Jesus zu ihnen. Sie erzählen ihm von Tragik und Hoffnung, von allem Unerfülltem. Erst am Abend, als er das Brot bricht, erkennen sie ihn – und da ist er weg“, berichtete Meister. „Wir gehen zusammen und wir erzählen uns, was uns bewegt. Wir sind auch treu in unserem Mut, den Weg weiterzugehen. Verantwortung füreinander und im gleichen Geist Christi wahrnehmen: Lasst uns hoffnungsvoll und mutig diesen Weg weitergehen – auch nach 50 Jahren“, schlägt der Landesbischof die Brücke in die Gegenwart und endet mit „Gott segne Ihre Gemeinde.“

„Was uns verbindet, ist der Glaube an den einen Gott“, nimmt Pater Jojo Thomas den Faden auf. Er stammt aus dem südindischen Bundesstaat Kerala. In seiner Heimat ist Ökumene alles andere als alltäglich. Gemeinsam spricht die Gemeinde mit ihm das Glaubensbekenntnis zu Frieden und Gerechtigkeit der Weltversammlung der Christen 1990 in Seoul, in dem es heißt: „Ich glaube, dass Gott für die Welt eine Ordnung will, die auf Gerechtigkeit und Liebe gründet, und dass alle Männer und Frauen gleichberechtigte Menschen sind. Ich glaube an Gottes Verheißung eines neuen Himmels und einer neuen Erde, wo Gerechtigkeit und Frieden sich küssen. Ich glaube an die Schönheit des Einfachen, an die Liebe mit offenen Händen, an den Frieden auf Erden. Amen.“

Dechant Stephan Uchtmann hat anschließend die Worte und gratuliert sehr herzlich allen Christen zum Jubiläum. Er habe vier Jahre als Kaplan im Ökumenischen Zentrum in Lüneburg gewirkt, das 2024 seine 50-Jahr-Feier begangen habe. Dann zitiert er Dr. Martin Marahrens, Weihbischof im Bistum Hildesheim, der „heute leider nicht persönlich dabei sein kann“. 50 Jahre gelebte Ökumene seien ein Geschenk. „Ein lebendiger Ort, an dem Menschen Gott begegnen und füreinander Verantwortung tragen. Sie haben die Zeichen der Zeit erkannt und die Steine für dieses Haus zusammengefügt“, überbrachte Uchtmann die Grußworte des Weihbischofs. Mit dem Ökumenischen Kirchenzentrum sei ein Haus des Dialogs, der Offenheit und gelebten Nächstenliebe entstanden: „Ein Ort, an dem der gemeinsame Glaube über konfessionelle Grenzen hinweg erfahrbar wird. Ökumene – wo aus gemeinsamem Glauben gemeinsames Handeln erwächst.“

Superintendent Dr. Stephan Vasel gratulierte zum Jubiläum nicht nur im Namen des Kirchenkreises Hameln-Pyrmont, sondern auch als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Hameln. „Das gute, heute so selbstverständliche Miteinander der Konfessionen fiel nicht vom Himmel. Es ist die Folge eines intensiven Lernprozesses. Und zugleich ist es ein Geschenk des Himmels, dass wir uns über mehrere Generationen darauf eingelassen haben.“ Es erfülle ihn mit großer Dankbarkeit und Freude, wenn er sehe, mit welcher Selbstverständlichkeit heute sehr unterschiedliche Kirchen positiv miteinander verbunden seien“, bekannte der Superintendent. Er halte dies für ein wichtiges Signal auch über den religiösen Bereich hinaus. „Eine eingeübte Gelassenheit im Umgang mit Differenz, mit Themen, bei denen alle wissen, dass es unterschiedliche Meinungen gibt. Und doch eine Haltung, die das Gemeinsame sucht, pflegt und nicht aus dem Blick verliert“, betonte Stephan Vasel. Er sei sich sicher: Gott habe Freude daran, dass sich die Religionen heute besser verstehen als in früheren Jahrhunderten. Er betrachte das als Segen.

„Wir sind stolz in Hameln auf ein Ökumenisches Zentrum“, sagte Oberbürgermeister Claudio Griese. Er zählte die Etappen des Bauwerks auf: 1974 Vertragsunterzeichnung, 1975 Bau, 1976 Einweihung. „Gehen Sie den Weg weiter, Menschen zusammenzuführen. Tauschen Sie sich weiter untereinander persönlich aus. Ich wünsche Ihnen, dass der Geist dieses Jahres auch in 50 Jahren so weiter weht.“

Dechant i. R. Norbert Hübner hielt ein kurzes, aber einprägsames Schlusswort: „Evangelisch und katholisch – gleichwertig, aber nicht gleichgültig. Senso unico.“ Harald Langguth