Hameln. Zu Pfingsten feiern die Kirchen die Gegenwart Gottes in der Welt und damit ihren Geburtstag. Gott ist als Heiliger Geist lebendig, so erzählt es die biblische Pfingstgeschichte. In der Rattenfängerstadt wird traditionell am Pfingstmontag ein ökumenischer Open-Air-Gottesdienst auf der Hochzeitshausterrasse gefeiert – in diesem Jahr am 25. Mai. Ökumene meint die Gesamtheit aller Christen und der christlichen Kirchen.
Veranstalter des Pfingstgottesdienstes ist die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Hameln (ACKH). Die Begrüßung nimmt Dr. Stephan Vasel vor. Er ist Vorsitzender der ACKH und Superintendent im Ev.-luth. Kirchenkreis Hameln-Pyrmont. Beginn des Gottesdienstes ist um 10.30 Uhr. Zur Arbeitsgemeinschaft gehören die römisch-katholische Kirche, die evangelisch-lutherische Kirche, die evangelisch-reformierte Kirche, die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde und seit dem vergangenen Jahr auch die Neuapostolische Kirche. Die Predigt hält Oliver Nader, Priester der Neuapostolischen Kirche, mit der Botschaft „Sei mutig und steh‘ auf“. Diese Botschaft ist zugleich das Motto des diesjährigen Katholikentags. Musikalisch umrahmt wird der ökumenische Gottesdienst von der Klingelbeutelband und dem Posaunenchor der Martin-Luther-Gemeinde. Bei schlechtem Wetter findet der Gottesdienst in der nahe gelegenen Marktkirche statt.
„Christ zu sein ist nichts für Feiglinge. Es erfordert den Mut sich zu offenbaren und Grenzen aufzuzeigen, wenn es mal wieder in die falsche Richtung, sprich gegen Gott geht “, betont Nader in seiner Predigt. Auch das Aufstehen erfordere Mut. „Wir erleben in heutiger Zeit auch sehr viel Verunsicherung. Jahrzehntelange Bündnisse scheinen zu zerbrechen. Politische Verhältnisse ändern sich. Regierungen stürzen, Gewalt und Kriege brechen aus“, unterstreicht der Priester. Zu glauben bedeute immer in Bewegung zu sein. „Dazu müssen wir aufstehen und unseren Komfortbereich auch mal verlassen. Gott schenkt uns Kraft als innere Standfestigkeit im Glauben. Kraft brauchen wir, um aufzustehen“, regt Nader an.
Zuvor hatte Superintendent Dr. Stephan Vasel in seiner Begrüßung auf das Grundgesetz verwiesen und es als einen der großen Erfolge des christlichen Glaubens bezeichnet: „Sich nach 1945 neu aufzustellen und einen Rückfall in die Barbarei zu verhindern, speiste sich sehr stark aus christlichen Wurzeln. An zentraler Stelle steht in unserem Grundgesetz der Satz: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Warum ist sie unantastbar? Weil Gott uns nach seinem Ebenbild erschaffen hat. Und nicht nur uns, sondern alle anderen Menschen auch.“ Die Zukunft der Demokratie in Deutschland sei nicht nur eine weltliche Frage. „Es ist eine geistliche Frage, denn es ist der Geist des Christentums, der in fundamentaler Weise eingewoben ist in unsere Verfassung“, bekräftigt der Superintendent. Harald Langguth