Hameln. Elf Seelsorger und Diakone des Evangelischen Kirchenkreises Hameln-Pyrmont sind am Sonntag für von der Bombenräumung Evakuierte in der Sammelunterkunft Rattenfängerhalle im Einsatz vorgesehen. Einer von ihnen ist Jens Riesener, Pastor in Hemeringen. Antje Berner aus Afferde und ihre Tochter Ina sind voll des Lobes über ihn. „Er kam so locker auf uns zu. Man sieht sich das erste Mal und hat gleich so viele Anknüpfungspunkte“, freut sich Antje Berner über die netten Gespräche. Ein Thema, das sie sofort von ihren Ängsten ablenkt: Die Hochzeit der Enkeltochter mit einem Mann aus Hemeringen. Den kennt der Pastor natürlich und kann sofort mitreden.
Von 7 bis 17.30 Uhr ist der Kirchenkreis mit der Notfallseelsorge in der Rattenfängerhalle im Einsatz gewesen – immer in enger Kooperation mit Heike Brand und Johanna Siever vom Kriseninterventionsteam des Deutschen Roten Kreuzes. Nach Auskunft der Pressestelle des DRK befinden sich am Vormittag zeitweilig 473 Menschen in der Halle.
„Auf die Ängste und Nöte der Menschen hier eingehen – das können wir als Kirche richtig gut mit unserem Konzept, das immer den ganzen Menschen im Blick hat“, berichtet Dr. Stephan Vasel, Superintendent im Kirchenkreis Hameln-Pyrmont. Die Notfallsituation am 26. April sei von vielen Institutionen und Einrichtungen arbeitsteilig verlässlich organisiert und betreut worden – unter anderem durch Stadt, DRK, Polizei, Feuerwehr und Kirche. „Ich empfinde eine große Dankbarkeit, dass alles unter den beteiligten Organisationen so gut eingespielt ist“, sagt Vasel. Kirche sei ein Experte des Nahbereichs. Viel dazu für die Menschen vor Ort beitrügen die vertrauten Gesichter der Pastorinnen und Pastoren. „Es tut einfach gut, wenn die Notfallseelsorge hier in der Rattenfängerhalle von Tisch zu Tisch geht und fragt: Wie geht es Ihnen denn? Das ist eine Riesenchance den Menschen beizustehen, weil wir einfach da sind,“ weiß der Superintendent.
Um 16.23 Uhr wird der Zünder der Bombe auf dem BHW-Parkplatz gesprengt – und um 17.15 Uhr endlich der Alarm aufgehoben. Hameln atmet auf. 8.500 Menschen können wieder ihre Wohnungen und Häuser betreten. Auch Antje Berner und ihre Tochter sind erleichtert. Sie können in ihr Zuhause nach Afferde zurückkehren. Harald Langguth