Vor den Mitgliedern der Kirchenkreissynode in der Paul-Gerhardt-Gemeinde hielt Superintendent Dr. Stephan Vasel am 8. April seinen dritten Ephoralbericht seit seinem Amtsantritt im Sommer 2023. Darin ging es um die Entwicklung des kirchlichen Lebens im Kirchenkreis Hameln-Pyrmont in den vergangenen 15 Monaten. Neben vielen personellen Veränderungen – im Mai sind fast alle Stellen mit Funktionsträgern besetzt – berichtete der Superintendent über die Zukunft von Kirche und ihre Funktion als Player im öffentlichen Raum am Beispiel von Feiertagen und kulturellen Veranstaltungen. Ein weiteres Thema seines Vortrags skizzierte erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit am Beispiel von Social Media und Newsletter. Die Entwicklung im Kirchenamt, bei Bauprojekten und das Präventionskonzept zum Schutz vor sexualisierter Gewalt standen ebenfalls zur Debatte.
Viele personelle Veränderungen im Kirchenkreis
Im Berichtszeitraum gab es eine ganze Reihe von personellen Veränderungen. Zu Erntedank galt es sich von Pastor Thomas Müller in der Martin-Luther-Kirche zu verabschieden. Es war rappelvoll – sowohl im Gottesdienst als auch im Gemeindehaus. Seit 1999 wirkte er in der Martin Luther-Gemeinde. Und zuvor bereits seit 1994 als Schulpastor in Hameln. Am selben Tag war auch nach 23 Jahren der Abschied von Pastorin Dagmar Knackstedt Riesener. Auch in Hemeringen gab es eine volle Kirche. „Tiefer Dank über alle Generationen hinweg. In der Stadt wie auf dem Dorf: Viele Menschen sind mit uns und durch uns verbunden. Und die Pfarrpersonen haben hierbei eine sehr zentrale Bedeutung, die wir bei allen Zukunftsprozessen gut bedenken müssen“, schloss Vasel aus diesen Beobachtungen.
Ende Oktober ging der Reigen der Verabschiedungen dann weiter. In der Krypta des Hamelner Münsters wurde Pastorin Birgit Löhmann von ihren Aufgaben als Klinikseelsorgerin in Bad Pyrmont und als Diakoniebeauftragte des Kirchenkreises entpflichtet. „Ein echter Glücksfall für den Kirchenkreis, der mit ihr viel erreicht hat“, lobte der Superintendent. Im Dezember war die Verabschiedung von Birgit Hodemann im Sana Klinikum. Als Diakonin war sie 25 Jahre in Hameln in der Krankenhausseelsorge tätig gewesen. Der Dank war überwältigend. Das Krankenhaus beteiligt sich künftig mit etwa einem Drittel an den Personalosten und kompensiert so landeskirchliche Kürzungen.
Guter Lauf bei den Stellenbesetzungen
In Bezug auf den Fachkräftemangel hat der Kirchenkreis seit Monaten einen ungewöhnlich guten Lauf bei der Besetzung theologisch geprägter Stellen. Neu in Ohsen und in der Region V ist Pastor Jaques Fabiunke. Er wurde im März vergangenen Jahres ordiniert. Sein Weg führte ihn aus Bayern nach Niedersachsen. Im Juni konnte die Pfarrstelle im Münster mit Pastor Christoph Herbold neu besetzen. Seine halbe Stelle wurde mit einem Springeranteil kombiniert und so zu einer ganzen Stelle. Neu in Bakede und Beber und in der Region VI ist Pastor Benjamin Jürgensmeier. Im Sommer konnte seine Ordination gefeiert werden. Neu an der Elisabeth Selbert-Schule ist Dr. Sabine Wagner mit einer halben Stelle als Schulpastorin. Ihre Einführung erfolgte im Rahmen einer multireligiösen Schulweihnachtsfeier mit vielen Schülerinnen und Schülern im Hamelner Münster. Wagner kam aus der Westfälischen Landeskirche in den Kirchenkreis. Und gerade begann Benjamin Westerkamp seinen Dienst in der Martin Luther Gemeinde und Holtensen und damit in Region III. Er wurde am 8. April ordiniert und kam aus Mühlheim an der Ruhr.
Der Dienstbeginn einer Diakonin heißt Einsegnung. Giulia Nehls ist die Nachfolgerin von Selma Conzendorf in Aerzen und arbeitet zugleich als Springerin im Kirchenkreis. Schon bekannt im Kirchenkreis ist Diakonin Marie Sophie Kabuß, die vor einer Elternzeit im Diakonischen Werk tätig war. Sie ist nun zuständig für die religionspädagogische Begleitung der 24 Kindertagesstätten im Kirchenkreis und folgt auf Julia Aschenbach, die in den Kirchenkreis Holzminden-Bodenwerder wechselte. Und es gelang, die Diakoninnenstelle in Bad Pyrmont zu besetzen. Zum 1. Advent wurde dort Hanna Taubitz eingeführt. Sie hat einen Schwerpunkt in der Seniorenarbeit und die Erlaubnis Beerdigungen zu machen. Mit Valerie Anke gibt es eine Vikarin im Kirchenkreis für Tündern und Hämelschenburg.
Veränderungen gibt es auch im Diakonischen Werk. Jan Sören Damköhler ist dort seit kurzem als Diakoniepastor eingeführt. Er folgt auf Birgit Löhmann. Es handelt sich dabei um eine Viertelstelle. Mit einer Dreiviertelstelle ist Damköhler weiter in der Region V mit Schwerpunkten in Tündern, Hämelschenburg und Afferde tätig.
Das Büro in der Superintendentur ist jetzt mit Sabine Kuhlmann besetzt. Sie bringt Erfahrung aus der Industrie mit und kennt sich zugleich als Organistin und Kirchenvorsteherin in der Kirche aus. Derzeit noch unbesetzt ist eine halbe Stelle für Klinikseelsorge in Bad Pyrmont. Diakon Ralf Hoffmann wird die Nachfolge von Birgit Hodemann antreten. Die Einführung findet am 5. Mai statt. „Wir haben gerade ziemlich viele junge Leute bei uns im Kirchenkreis, die am Beginn ihres Berufslebens stehen. Sie haben Ideen davon, dass Kirche Zukunft hat, sonst hätten sie ihre Berufe nicht gewählt“, freut sich Vasel.
Springerteam als Feuerwehr, wenn es brennt
Zu den Zukunftsthemen im Kirchenkreis gehört auch der Aufbau eines Springerteams. Jeder Kirchenkreis hat eine Springerstelle. Die Springerinnen und der Springer sind so etwas wie die Feuerwehr, wenn es brennt, weil es beispielsweise irgendwo fünf Beerdigungen in einer Woche gibt. Zum Team gehören Pastor Christoph Herbold mit einer halben Stelle und Pastorin Daentzer und Pastorin Wieland mit je einer viertel Stelle. Mit Giulia Nehls gibt es eine Diakonin mit einem halben Stellenanteil im Springerteam. Einen kontinuierlichen Zuwachs gibt es bei Lektorinnen und Lektoren sowie bei Prädikantinnen und Prädikanten. Im Berichtszeitraum gilt das für Michael Bräunig in Hameln, Lena Kawalek in Bad Münder, Karin Rischmüller in Aerzen, Karen Klose in Hämelschenburg, Henning Wehrmann in Hameln, Dr. Jürgen Heine in Hemeringen.
„Wir werden das kirchliche Leben in größeren Räumen gestalten müssen. Niemand weiß, ob es einmal eine Niedersächsische Landeskirche geben wird, was nicht nur finanziell betrachtet günstiger wäre als eine in Hannover, eine in Braunschweig, eine in Oldenburg und eine in Bückeburg. Ob wir wirklich noch sechs Sprengel brauchen, wage ich zu bezweifeln“, merkte Vasel an. In der kirchlichen Verwaltung und der Binnenorganisation benötige es zudem eines deutlichen Digitalisierungsschubs.
Neue Räume kommen unterschiedlich schnell
Die neuen Räume seien ein Anfang. Der Kirchenkreis mache einen großen Schritt, indem er von sechs auf zwei Regionen gehe. Die Kirchenkreiskonferenz hat sich dafür ausgesprochen, in zwei Geschwindigkeiten vorzugehen. Zum einen mit der schnellen Klärung von sechs auf zwei. Zum anderen langsam, in Ruhe und mit Zeit, all die Fragen zu beantworten, wie in den neuen Räumen gearbeitet und das Glaubensleben gestalten werden soll. Nicht nur hauptamtlich, sondern in der Gemeinschaft von Haupt- und Ehrenamt, die für die evangelische Kirche in besonderer Weise prägend ist.
Als einen ersten Schritt wird sich die Kirchenkreiskonferenz im April mit aktuellen regionalen Modellen für den Konfirmandenunterricht befassen. Für den 21. Mai ist eine Busreise in die neue Region Süd geplant. Am 5. Juni gibt es eine Busreise in die Region Nord – als gemeinsame Erkundung des Raums, in dem alle demnächst stärker gemeinsam zuständig sind. Ab Juni geht es dann darum, was es bedeutet, in Teams zu arbeiten. „Bei 30 Prozent Schwund in zehn Jahren werden wir vermutlich in nicht allzu weiter Zukunft bei einer ganzen Reihe von Themen, die wir jetzt noch auf der Ebene der Ortsgemeinde sehen, auf regional stärker vernetzte Ideen kommen, weil uns an vielen Orten sowohl das Geld wie die Menschen knapp werden“, ahnt Vasel. Erste Strukturveränderungen gibt es bereits im Kleinen: Marktkirche und Münster in Hameln haben eine Fusion vollzogen. Die neue Kirchengemeinde heißt jetzt Stadtkirchengemeinde. Und die Kirchengemeinden Martin Luther und Holtensen haben ein verbundenes Pfarramt gebildet.
Bad Pyrmont – erfolgreiche Visitation im Team
Unmittelbar nach der Novembersynode fand in Bad Pyrmont eine Visitation im Team statt. „Wir haben eine Kirchengemeinde erlebt, die sich in den vergangenen Jahren sehr stark mit Veränderungsprozessen beschäftigt hat und nun die Früchte dieser Arbeit erntet. In Bad Pyrmont wird gerade viel ausprobiert, was vielfach kirchlich diskutiert wird. Aufgehoben ist zum Beispiel die Idee, eine Gemeinde in Pfarr- oder Seelsorgebezirke einzuteilen, in der eine Pfarrperson für alles zuständig ist. Stattdessen wird die Gemeinde als ein Raum verstanden, in dem arbeitsteilig geregelt ist, wer wofür zuständig ist. Dies im Team, zu dem im hauptamtlichen Bereich zwei Pastorinnen, eine Diakonin und eine Gemeindemanagerin zählen“, hat der Superintendent beobachtet. Im September findet die nächste Visitation in der Region II, also in Teilen von Hameln, statt.
Kirche als Player im öffentlichen Raum
Die Kirchen in Deutschland stecken in großen Anpassungs- und Veränderungsprozessen. Es gibt viele Gesprächsrunden, in denen über die Gegenwart und Zukunft der Kirche diskutiert wird. „So bedeutsam es ist, dass wir in Stuhlkreisen zusammensitzen und die kirchliche Zukunft bedenken: Es ist ebenfalls wichtig, die Stühle von Zeit zu Zeit in die andere Richtung zu drehen und sie vielleicht sogar zu verlassen. Denn die Kirche gibt es, weil Jesus der Welt etwas zu sagen hatte. Er predigte auf Bergen, Hügeln, Straßen Plätzen, am Seeufer oder von einem Boot aus. Er ließ sich zum Essen einladen, war in Häusern der Menschen und hin und wieder auch in der Synagoge und im Tempel. Und er sagte seinen Jüngern: „Gehet hin und lehret alle Völker!“ (Mt 28)“, gab Stephan Vasel zu bedenken.
Insofern sei Kirche nicht hinreichend beschrieben als ein Stuhlkreis, der immer kleiner werde. Kirche brauche Prozesse der Konzentration, der Kontemplation und der Innerlichkeit. Sie handele aber zugleich nur dann auftragsgemäß, wenn sie im öffentlichen Raum ihre Inhalte erkennbar mache und im Gespräch halte. In diesem öffentlichen Raum ist der Kirchenkreis Hameln-Pyrmont sehr präsent. Ein wichtiges Format dazu sind die Jahresempfänge, die 2023 mit Altbischof Prof. Dr. Huber begannen. Im September 2025 war Militärdekanin Dr. Alexandra Dierks zu Gast im Hamelner Münster. „Einen Krieg vorbereiten, um einen Krieg zu verhindern?“ Dabei ging es um aktuelle Fragen der Friedensethik im Kontext der veränderten sicherheitspolitischen Lage durch Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine. Am 17. September kommt Prof. Dr. Detlef Pollack aus Münster. Er ist der führende Religionssoziologe in Deutschland und behandelt die Frage, was angesichts neuerer Entwicklungen aus den Glücksversprechen der Aufklärung und der Moderne geworden ist.
Reformationstag zu aktuellen Themen unserer Zeit
Weiter entwickelt hat sich auch der Gottesdienst zum Reformationstag, der zusammen mit der Reformierten Kirche gestaltet wird. Im vergangenen Jahr ging es um „Medienrevolution“ in der Martin Luther Kirche in Hameln. In der Reformationszeit war es der Buchdruck, der Kirche und Gesellschaft veränderte. Welche Bedeutung haben die modernen digitalen Medien für Kirche und Gesellschaft heute? Mit dabei war Thomas Thimm, Chefredakteur der Deister-Weser-Zeitung. In diesem Jahr wird die Reihe fortgesetzt. Der Gottesdienst findet in der Reformierten Kirche statt. Dabei geht es darum, wie die Reformation in der reformierten Kirche begann. Erstaunlich unbekannt ist, dass sie durch ein Wurstessen in der Fastenzeit ausgelöst wurde. Auf der Tagesordnung steht dann auch die Bedeutung von Regelbrüchen heute mit Blick auf die Zunahme disruptiver Entwicklungen in der Weltpolitik.
Die musikalische Veranstaltung zum Tag der Deutschen Einheit wurde in Kooperation mit der Stadt Hameln noch einmal weiterentwickelt. David Thomas organisierte federführend das Konzert. Jürgen Gansäuer, ehemaliger Präsident des Niedersächsischen Landtags, war am 8. Mai 2025 zu Gast im Münster - 80 Jahre nach Kriegsende. Er ging der Frage nach: Was lernen wir aus der Geschichte? Das Thema Gedenken spielte auch eine Rolle in den Kirchenkreiskollekten, die im Kirchenkreisvorstand für die Kirchengemeinden beschlossen wurden. „Wir haben uns unter anderem beteiligt an den Kosten des Erinnerungsortes für die Opfer von Zwangsarbeit in der Zeit des Nationalsozialismus in Hameln. Sie können das Denkmal direkt am Weserufer besuchen“, lud Vasel ein.
Kultur – von Klassik bis modern
Als Kirche ist das Kirchenkreis Hameln-Pymont kulturell sehr aktiv - sowohl klassisch wie modern. So hat sich die Hamelner Kantorei sehr erfolgreich die Welt des Jazz angeeignet und Duke Ellingtons Sacred Music aufgeführt und kürzlich Antonín Dvořáks Stabat Mater. Am 29. und 30. Mai findet das christliche Bandfestival Soul Place auf der Hochzeitshausterrasse in Hameln statt. Die Federführung liegt bei Popkantor Marco Knichala. Das Festival wird von einer großen Anzahl von Sponsoren unterstützt. Am Folgetag wird die Hochzeitshausterrasse für einen Gottesdienst genutzt.
Kulturell aktiv ist der Kirchenkreis auch durch seine Kunstgottesdienste zu Silvester. „Zum dritten Mal hat uns eine örtliche Künstlerin ein Bild zur Jahreslosung gemalt. In diesem Jahr ist es von Heike Claus-Römer. „Siehe, ich mache alles neu“ – gestaltet als fotorealistisches Bild in Ölfarben. In den vergangenen Jahren waren die Bilder von Malte Wulf und Gudrun Brückner-Krebbel. Eine besondere Erfahrung war es, dass mehr Menschen Silvester zum Abendmahl kamen als es Einzelkelche gab“, berichtet der Superintendent. Eine ähnliche Erfahrung habe es bei einem Orgelkonzert mit Michael Schütz gegeben, der Popmusik auf der Orgel spielte. Es kamen so viele Menschen, dass kurzerhand zusätzliche Stühle organisiert werden mussten. Pastorin Barbara Daentzer entwickelte einen Schlagergottesdienst, der auch schon in Bad Pyrmont stattfand und demnächst in Groß Berkel.
Gute Öffentlichkeitsarbeit von Insta bis Newsletter
Gut angenommen wird der Instagram-Kanal des KiTa-Verbands und darauf besonders das Format „Glaub mal“, in dem es jeden Freitag einen neuen Beitrag gibt. „Ein großer Dank geht hier an Stella Bader, sie ist KiTa-Leiterin in Aerzen, und Diakonin Sophie-Marie Kabuß, die sich gemeinsam der Aufgabe stellen, neben anderen Themen auch religionspädagogische Inhalte zu vermitteln. Das sind zum Beispiel Informationstexte zu den Feiertagen im Kirchenjahr oder auch praktische Tipps zum Beten im Alltag“, sagte Vasel.
Studierende der Leibniz Fachhochschule Hannover im Fachbereich Betriebswirtschaft fragten den Kirchenkreis nach einem Projekt an. Die Studierenden schreiben dort im Bereich Marketing Hausarbeiten. Einige von ihnen entschieden sich, eine Analyse und ein Marketingkonzept für den Kirchenkreis Hameln-Pyrmont zu entwickeln. Die Arbeit wurde von der Hochschule mit sehr gut bewertet. „Die jungen Studierenden haben uns aufgeschrieben, dass wir dringend daran arbeiten müssen, auf Social Media präsenter zu sein. Es gibt nun eine Arbeitsgruppe, die in einem ersten Schritt die vorhandenen Social-Media-Aktivitäten bündelt und einen Vorschlag erarbeitet, wie wir hier weiterkommen“, berichtete Vasel.
Mehr Reichweite für den Newsletter
Im Berichtszeitraum gut entwickelt habe sich der Newsletter, zu dem es eine Redaktion gebe. Sie sei so zusammengesetzt, dass sie möglichst den ganzen Kirchenkreis im Blick habe. „Wenn Sie den Newsletter noch nicht abonniert haben, tun Sie das bitte. Und gewinnen Sie alle mindestens zehn Menschen, die sich ebenfalls hierfür interessieren“, appellierte Vasel an die Zuhörenden.
Eine Neuerung gab es in der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Hameln. Bislang hatte die Neuapostolische Kirche einen Gaststatus. Nun ist sie Vollmitglied. Das wurde in einem sehr gut besuchten Gottesdienst am Pfingstmontag gefeiert.
Im Bereich der Diakonie musste die Arbeit der AIBM in Bad Münder eingestellt werden. Dies war ein Thema der vergangenen beiden Synoden und kam nun zum Abschluss. Die Räume des Sozialkaufhauses konnten fristgerecht besenrein übergeben werden. Für alle Mitarbeitenden wurden Lösungen gefunden.
Eine sichtbare Präsenz hatte der Kirchenkreis Hameln-Pyrmont auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Hannover. Ein Zirkuszelt vor der Sparkasse neben der Marktkirche mit Rattenfänger sorgte für gute Laune, fröhliche Musik, Segen, kreativen Stationen und viele Begegnungen.
Zusätzlichen finanziellen Standbeinen wie dem Fundraising kommt eine größere Bedeutung zu. Dazu kann man sich von Doris Hellmold-Ziesenis beraten lassen, die für die Kirchenkreise Hameln-Pyrmont und Holzminden-Bodenwerder als Fundraiserin tätig ist. Besonders gelungen ist das Projekt „Stern von Hamel“. Innerhalb von zehn Wochen gelang es, 40.000 Euro zu sammeln, zu einem erheblichen Teil mit dem digitalen Tool Twingle.
Kirchenamt – Probleme sind noch nicht bewältigt
Große Sorgen bereitet Vasel die Entwicklung des Kirchenamtes. Die Krise der aufgestauten Probleme sei noch nicht bewältigt. Vermögensaufsicht, Rechnungsprüfungsamt und Landeskirchenamt begleiteten den Prozess intensiv. Dabei sei die Struktur relativ komplex, da das Amt für zwei Kirchenkreise zuständig ist: Holzminden-Bodenwerder und Hameln-Pyrmont. Da die bislang nicht gelösten Probleme dazu führen, dass man erneut größere Geldbeträge in die Hand nehmen müsse, um zusätzliches Personal einzustellen, habe der Kirchenkreisverbandsvorstand beschlossen, die weichenstellenden Entscheidungen breiter aufzustellen. „Daher werden ab sofort beide Kirchenkreisvorstände und die Vorsitzenden beider Finanzausschüsse in die Beschlüsse eingebunden“, berichtete Vasel.
Präventionskonzept ist auf einem guten Weg
Ein Dauerthema ist das Konzept zum Schutz vor sexualisierter Gewalt. Hier macht der Kirchenkreis gute Fortschritte in der Schulung seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Schulungen dauern länger als die ursprünglich angesetzten zwei Jahre. Dies liegt unter anderem daran, dass die Vorgaben der Landeskirche umfangreicher geworden sind. Denn inzwischen sind tatsächlich alle Ehrenamtlichen zu schulen.
Sanierung des Westturms – Feier am 27. September
Beim Thema Bau gibt es bei etwa 150 Gebäuden im Kirchenkreis ständig Bewegung. Besonders augenfällig ist die Sanierung des Westturms des Münsters, bei der der Kirchenkreis finanziell intensiv vom Bund und von der Landeskirche unterstützt wird. Am 27. September wird die abgeschlossene Instandsetzung groß gefeiert.
Neu gebaut wurde in Afferde, wo im März 2025 ein Gemeindehaus eingeweiht werden konnte. Ein wichtiger Aspekt kirchlicher Arbeit ist die Übersetzung der Inhalte in die jeweilige Gegenwart. „Das Fenster im Gemeindehaus, wo man ganz im Hier und Jetzt steht, und die Tradition der alten Kirche direkt im Blick hat, ist ein Ort, den ich gerne für einen Ausflug empfehlen möchte, falls Sie noch nicht dort waren. Für mich ein Lieblingsort hier im Kirchenkreis“, berichtete Vasel.
Einfach heiraten geht ganz leicht
Am 26. Juni 2026 findet im Münster und rund um das Münster die Aktion „Einfach Heiraten“ statt. Es handelt sich um eine Initiative der Landeskirche, die der Kirchenkreis aufgegriffen hat. Viele Kirchengemeinden sind beteiligt. Paare können hier um Gottes Segen bitten. Auch Trauungen sind möglich.
Christlich-Jüdischer Dialog in schwierigen Zeiten
Zu den gespenstischen Entwicklungen unserer Zeit gehört eine gravierende Zunahme des Antisemitismus. „Ich halte es daher für außerordentlich wichtig, dass wir uns an die Seite der Synagogen stellen und christlich-jüdische Dialoge suchen, weiterführen und vertiefen“, betonte Vasel. Eine gute Gelegenheit hierzu bietet eine Dialogpredigt am 16. August. Rabbinerin Dr. Ulrike Offenberg und Superintendent Dr. Stephan Vasel sprechen dann im Münster über die Rivalität von Jakob und Esau.
Den Demokratien ist ihre Zukunft verloren gegangen
Dem US-amerikanischen Historiker Timothy Snyder zufolge liegt das Problem heutiger Demokratien darin, dass ihnen ihre Zukunft abhandengekommen ist. Wenn die Zukunft ein Raum ist, wo niemand so recht hinwill, entsteht eine Lähmung in der Zukunftsgestaltung, so etwas wie ein gesamtgesellschaftliches Koma. Dies wiederum sei der Nährboden für die Rückkehr vergangener Traumata, die nun in neuen Ausformungen zurückkehrten: Faschismus, Nationalsozialismus und Kommunismus. „Wenn das stimmt, dann werden wir die Gespenster der Vergangenheit nur los, wenn wir ernsthaft an illusionsfreien Ideen von einer guten Zukunft arbeiten. Ob wir diese Lähmung auch in den Kirchen überwinden, hat allerdings nicht nur eine Bedeutung für die Zukunft der Kirche, sondern vermutlich auch über sie hinaus. Wenn wir es in der Kirche hinbekommen, illusionsfreie Ideen von einer guten Zukunft zu entwickeln, kann das auch eine Bedeutung für andere gesellschaftliche Bereiche haben“, ist sich der Superintendent sicher. Stephan Vasel / Harald Langguth