Neugierig nähern sich die Gottesdienstbesuchenden dem Bild. Ein Kind ist erstaunt, eine Frau hält den Kopf schräg, um die gemalten Hände besser zu erkennen. Die Umsetzung der Jahreslosung für 2026 „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu.“ (Offenbarung 21,5) durch die Künstlerin Heike Claus-Römer aus Hastenbeck fasziniert die Menschen beim Kunstgottesdienst Silvester in der Marktkirche. Das Kunstprojekt ist bereits das dritte, das der Kirchenkreis zur Jahreslosung umsetzt. Immer mit heimischen Künstlern.
„Meine Grundidee war es, eine Brücke von der Jahreslosung zu den Menschen zu schlagen“, berichtet Heike Claus-Römer im Interview mit Superintendent Stephan Vasel. Verschiedene Menschen haben unterschiedliche Hautfarben: So steht eine kleine weiße Kinderhand neben einer mittelalten braunen Hand – und die wiederum neben einer Seniorenhand. Eine Hand ist tätowiert, der nächsten fehlen zwei Fingerkuppen. „Von unversehrt bis vom Leben gezeichnet wollte ich unterschiedliche Hauttypen zeigen. Von der Arbeiterhand bis zur manikürten Hand stehen sie für die Bandbreite der Gesellschaft“, sagt die Künstlerin. Das Ganze malte sie in Öl auf Leinwand. Mit ihrem Motiv möchte sie Hilfe, Trost, Veränderung und Zuversicht ausdrücken.
„Derjenige, der in dem Bibeltext spricht, ist Gott, der da sagt: „Siehe, ich mache alles neu.“ Und wenn man dann ein wenig im letzten Buch der Bibel blättert, wird schnell deutlich: Tatsächlich alles. Ein neuer Himmel, eine neue Erde (Offenbarung 21,1) selbst der Tod soll nicht mehr sein (Offenbarung 21,4). Heike Claus-Römer hat das mit Händen umgesetzt, die sich dem Himmel entgegenstrecken. Fotorealistisch. Ziemlich echt sieht das aus – und es ist doch gemalt. Hände zum Himmel – das ist Geste des Gebets. Die Hoffnung auf Gott. Die Zuversicht, dass die Welt kein gottloser Raum ist und die Gewissheit: Manchmal erleben wir dies in kurzen Augenblicken, dass sich Himmel und Erde berühren. Zugleich ist der Kontrast sehr stark. Wir sehen die Hände. Sie richten sich auf einen Himmel, in dem das meiste verborgen ist. Glaube ist auch immer ein Vertrauen auf etwas, das man nicht sieht und das doch eine große orientierende Kraft hat“, betont Stephan Vasel. Harald Langguth