Zum dritten Mal ein Kunstprojekt des Kirchenkreises zur Jahreslosung. In diesem Jahr hat Heike Claus-Römer ein Bild gestaltet. Das Bild ist mit Ölfarben gemalt.
Die Jahreslosung sagt: „Siehe, ich mache alles neu“ (Offenbarung 21,5). Spannend ist, wer da spricht. Wir Menschen sind nicht immer gut darin, Dinge neu zu machen. Oft sind wir in der Gegenwart in den Spuren der Vergangenheit unterwegs. Für viele Dinge ist das ungemein praktisch. Es wäre eine kolossale Überforderung, ständig alles anders machen zu wollen als gewohnt. Und wir wären wenig verlässlich, weil unsere Mitmenschen darauf vertrauen, dass wir uns so verhalten, wie sie es von uns kennen.
Derjenige, der in dem Bibeltext spricht, ist allerdings kein Mensch. Es ist Gott, der da sagt: „Siehe, ich mache alles neu.“ Und wenn man dann ein wenig im letzten Buch der Bibel blättert, wird schnell deutlich: Tatsächlich alles. Ein neuer Himmel, eine neue Erde (Offenbarung 21,1) selbst der Tod soll nicht mehr sein (Offenbarung 21,4). Gott, so wird in diesem Zusammenhang formuliert, wird abwischen alle Tränen. Leid, Geschrei und Schmerz soll es nicht mehr geben. Dies alles als Folge dessen, dass Gott selbst bei den Menschen wohnen wird. Dabei ist nicht von einem Palast die Rede, sondern von der „Hütte Gottes bei den Menschen“ (Offenbarung 21,3).
Und doch geht Neues auch bei den Menschen. Nicht alles können wir neu machen, das kann nur Gott. Aber es gibt immer wieder die Möglichkeit, neu anzusetzen, aus Fehlern zu lernen, Fehler zu verzeihen, Irrwege zu verlassen, aus Umwegen zu lernen, Wege zu finden, die wir vielleicht jetzt noch nicht kennen.
Heike Claus-Römer hat das mit Händen umgesetzt, die sich dem Himmel entgegenstrecken. Fotorealistisch. Ziemlich echt sieht das aus – und es ist doch gemalt. Hände zum Himmel – das ist Geste des Gebets. Die Hoffnung auf Gott. Die Zuversicht, dass die Welt kein gottloser Raum ist und die Gewissheit: Manchmal erleben wir dies in kurzen Augenblicken, dass sich Himmel und Erde berühren. Zugleich ist der Kontrast sehr stark. Wir sehen die Hände. Sie richten sich auf einen Himmel, in dem das meiste verborgen ist. Glaube ist auch immer ein Vertrauen auf etwas, das man nicht sieht und das doch eine große orientierende Kraft hat.
Die Hände stehen dabei für unterschiedliche Menschen. Verschiedenes Alter, verschiedenes Geschlecht, verschiedene Hautfarbe. Auch im Stil sind sie verschieden. Manikürt und chic. An einer Hand fehlen Fingerglieder. Vielleicht die Folge eines Unfalls und seitdem ein Leben mit Behinderung. Und wir sehen eine Tätowierung. Eben dies ist eine wichtige Pointe des christlichen Glaubens: Gott ist der Schöpfer aller Menschen.
Es stecken tiefe Gefühle von Zuversicht, Hilfe und Trost in dem Bild. Die Hände haben einen gemeinsamen Bezugspunkt. Sie wenden sich der Losung zu. Einer Botschaft, die das Menschenmögliche übersteigt.
Und der Vers? Er ist ein wenig knitterig gestaltet. Ein Zeichen dafür, dass der Bibeltext in Gebrauch ist, lebendig mit uns unterwegs. Ein Stück Ewigkeit in endlichem Gewand. Und vielleicht ist er genau so ein guter Begleiter für das kommende Jahr. Superintendent Dr. Stephan Vasel