Fünf Jahre – von 2003 bis 2008 – war Jürgen Gansäuer als Präsident des Niedersächsischen Landtags der höchste Repräsentant unseres Bundeslandes. Zum 8. Mai, dem 80. Jahrestag der Befreiung vom Hitlerfaschismus, kommt Jürgen Gansäuer zu einer Feierstunde um 19 Uhr als Redner ins Münster nach Hameln. Insgesamt gehörte der CDU-Politiker 34 Jahre dem Landtag an. Er ist damit der am längsten amtierende Parlamentsabgeordnete Niedersachsens.
Gansäuer hat nach seinem Wirken als Politiker Geschichte in Göttingen studiert. Sein Hauptinteresse gilt der Reformations- und Landesgeschichte und hier vor allem der Geschichte der Welfen. 2015 erschien sein Buch „Welfen auf Englands Thron“, in dem er sich vor allem mit der Geschichte Großbritanniens und der Personalunion zwischen England und Hannover befasste. Heute ist er in diesen Themenbereichen ein gefragter Referent.
„Jürgen Gansäuer ist ein politisches Urgestein Niedersachsens und ein wichtiger Impulsgeber für die Frage: Was lernen wir aus der Geschichte?“ Geschichte ist für ihn nie nur ein Blick in die Vergangenheit. Immer geht es ihm auch um Orientierung in der Gegenwart für die Zukunft. Er freut mich sehr, dass wir diesen außerordentlichen Gast an einem der weichenstellenden Tage der Geschichte unseres Landes im Hamelner Münster begrüßen können“, sagt Hameln-Pyrmonts Superintendent Dr. Stephan Vasel.
Jürgen Gansäuer wurde am 19. Februar 1944 in Hahnenklee-Bockswiese im Harz geboren. Sein Vater fiel wenige Wochen nach seiner Geburt in Russland. Seine Mutter war Bundesbahnbeamtin. Jürgen Gansäuer gehört der evangelisch-lutherischen Kirche an. Von Beruf ist er Industriekaufmann. 1962 absolvierte der junge Mann ein freiwilliges Diakonisches Jahr in den Rotenburger Werken und pflegte dort körperlich und geistig behinderte Menschen. Immer wieder nahm er an Übungen der Bundeswehr teil und engagierte sich auf diesem Gebiet der staatsbürgerlichen Ausbildung der Soldaten.
Schon frühzeitig betätigte sich Gansäuer in der kirchlichen Jugendarbeit sowie als Ratsherr in seiner Heimatstadt Laatzen und als Abgeordneter im Kreistag des Landkreises Hannover. Nach seinem Engagement in der Kommunalpolitik wurde er 1974 als Abgeordneter in den Niedersächsischen Landtag gewählt. Dort bekleidete er sechs Jahre das Amt des Vorsitzenden der CDU-Fraktion. Neun Jahre war Gansäuer Vizepräsident und von 2003 bis 2008 Präsident des Niedersächsischen Landtags.
Zur Landtagswahl 2008 kandidierte Gansäuer nicht mehr. Er begann ein Studium der Geschichte und Kunstgeschichte an der Georg August Universität in Göttingen. 2011 legte er das Bachelor-Examen ab. Im März 2014 folgte seine Masterarbeit, in der er sich mit dem letzten regierenden Herzog aus der braunschweigischen Linie des Welfenhauses, befasste. Im April 2014 wurde ihm der Hochschulgrad eines Masters of Arts im Fach Geschichte verliehen.
Seine Hobbys sind Tennis, Paragliding und klassische Musik. Im April 2013 wurde ihm mit der Landesmedaille die höchste Auszeichnung Niedersachsens verliehen. Im Januar 2025 erhielt er von seiner Heimatstadt Laatzen die Ehrenbürgerwürde.
Gansäuers heutiges Engagement gilt dem sozialen Bereich und hier insbesondere der Unterstützung des Landesbildungszentrums für Blinde in Hannover. Darüber hinaus wirkt er für die Klosterkammer Hannover, deren stellvertretender Beiratsvorsitzender er ist. Harald Langguth