KV

Hauptsache geliebt

Nachricht Hameln, 08. Mai 2025

Andacht von Aggie-Eleanor von Dewitz-Bodman

Pastorin Aggie-Eleanor von Dewitz-Bodman ist Pastorin in der St. Annen-Kirchengemeinde in Wangelist. Foto: Lea Schlüter

Stellen Sie sich einmal vor, Sie würden ein Flugticket nach Italien buchen. Sie haben sich einen Reiseführer für dieses Land gekauft, Teile der Sprache gelernt, Sie freuen sich auf das Kolosseum und das vatikanische Museum. Sie landen und … sind in Holland. Das war anders geplant… Sie müssen sich einen neuen Reiseführer kaufen, eine neue Sprache lernen, die Sehenswürdigkeiten des Landes lieben lernen. Es ist auch schön in Holland.

Aber immer, wenn Ihre Freude von ihrem Italienurlaub schwärmen, wo Sie eigentlich auch hinwollten, macht das was mit Ihnen. Dieses Gefühl des Verlustes geht nie ganz weg. Doch Sie merken, wenn Sie diesem Italienurlaub immer hinterher trauern, verpassen Sie all die wunderschönen Dinge, die es in Holland gibt!

Emily Perl Kingsley, die diese Geschichte schrieb, ist seit 1970 Autorin für die Sesamstraße. Sie hat einen Sohn mit Down-Syndrom und setzt sich dafür ein, dass Menschen mit Behinderungen auch im Fernsehen sichtbar werden. So zum Beispiel in der Sesamstraße.

Die Geschichte „Willkommen in Holland“ soll anderen Menschen, die kein Kind mit Behinderung haben, zeigen, wie es sich anfühlt, wenn das Leben anders verläuft, als man es sich vielleicht ausgemalt hat. Diese Geschichte möchte auch Mut machen, dass – auch, wenn es anders wird – ein wunderbares Leben auf einen wartet! Mich hat dieser Text von Emily Perl Kingsley sehr berührt. Manchmal plant man das Leben und es kommt anders. Es ist nicht immer leicht, einen Menschen mit Behinderung groß zu ziehen. Es gibt mehr Arzttermine und mehr Herausforderungen. Das ist einfach so, darf benannt werden und sollte auch wertgeschätzt werden.

Und trotzdem ist es wunderbar, einen Menschen mit Behinderung großzuziehen! Warum? Was für eine Frage! Weil es ein Mensch ist! Und weil dieser Mensch liebt und lacht und Witze macht und kuschelt oder eben auf seine ganz eigene Art und Weise Zuneigung bekundet. Weil dieser Mensch ein von Gott gewolltes Geschöpf ist, der unser Leben bereichert! Und wenn man so will, hat ja jeder Mensch irgendeine Behinderung. Sei es die Sehschwäche, Legasthenie, ein X-Bein, die Angst vor vielen Menschen zu sprechen, Depression oder eben Down Syndrom. Und hat nicht jeder Mensch ein Recht diese Welt kennen zu lernen? Ist es nicht unsere Aufgabe als Gesellschaft jedem Menschen das Leben hier auf der Erde so schön wie möglich zu machen?

Ich habe letztens folgendes gehört: Werdende Eltern werden von einer Fremden angesprochen: „Was wird es denn? Ein Mädchen oder ein Junge? – Ach, egal, Hauptsache gesund, nicht wahr?!“ „Nein!“, antworten die werdenden Eltern. „Hauptsache geliebt!“
Aggie-Eleanor von Dewitz-Bodman