Hameln. Zu Pfingsten feiern die Kirchen die Gegenwart Gottes in der Welt und damit ihren Geburtstag. Gott ist als Heiliger Geist lebendig, so erzählt es die biblische Pfingstgeschichte. In der Rattenfängerstadt wird traditionell am Pfingstmontag ein ökumenischer Open-Air-Gottesdienst auf der Hochzeitshausterrasse gefeiert – in diesem Jahr am 9. Juni. Ökumene meint die Gesamtheit aller Christen und der christlichen Kirchen.
Veranstalter des Pfingstgottesdienstes ist die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Hameln (ACKH). In diesem Jahr wird die Gemeinde Hameln der Neuapostolischen Kirche Nord- und Ostdeutschland als Vollmitglied aufgenommen. Die Predigt hält Dr. Stephan Vasel, Vorsitzender der ACKH und Superintendent im Kirchenkreis Hameln-Pyrmont. Beginn des Gottesdienstes ist um 10.30 Uhr. Bereits zur Arbeitsgemeinschaft gehören die römisch-katholische Kirche, die evangelisch-lutherische Kirche, die evangelisch-reformierte Kirche und die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde.
„Wenn wir bewusst zu Pfingsten miteinander Gottesdienst feiern, so bringen wir zum Ausdruck, dass es der eine Geist Gottes ist, die eine Taufe, der eine Jesus Christus. Und doch wissen wir alle voneinander, dass die evangelische Kirche wenig Neigung dazu hat, den Papst anzuerkennen, dass die katholische Kirche anders über Frauenordination denkt und dass es zum Beispiel in der Neuapostolischen Kirche Sakramente für Verstorbene gibt“, betont Vasel.
Damit respektvoll umzugehen, auch wenn man aus guten Gründen eine andere Haltung habe, sei nicht ganz leicht und zugleich äußerst wertvoll. „Schauen wir uns die großen Linien der Entwicklung an, so lässt sich sagen: Aus der Rechthaberei vergangener Jahrhunderte ist ein echtes Interesse aneinander geworden“, betont der Superintendent. Man könne viel voneinander lernen, wenn man miteinander so im Gespräch sei, dass man sich an Gemeinsamkeiten freuen und Unterschiede auch mal stehen lassen könne.
„Dies setzt voraus, dass wir Gott zutrauen, positive Beziehungen zu Menschen einzugehen, die an Punkten zu anderen Überzeugungen gelangt sind, die uns zum Teil bis in unsere Identität hinein wichtig seien. Daher ist Demut der erste Schritt der Ökumene. Und die Bereitschaft, eine lernende Kirche zu sein, die sich verändert, die auch an Gott neue Seiten erkennt und die Irrtümer korrigiert“, ist sich Vasel sicher.
Hiermit ist nach seiner Auffassung eine sehr grundlegende Haltung beschrieben: „Unsere Demokratie hat es gerade schwer. Oft krachen Meinungen unvermittelt und absolut gegeneinander. Nachdem wir in Europa nach der Reformation Glaubensstreitigkeiten in aller Regel politisch eingehegt haben, weil alles andere endlose Konflikte beförderte, ist inzwischen in den Religionen etwas vertraut, das wir als Gesellschaft dringend insgesamt brauchen: Ein gelassener Umgang mit Differenz.“
Eigentlich hätte dies für die Religionen nicht so schwer sein müssen, meint Vasel. Denn sie bezögen sich auf eine Größe, die „höher ist als alle menschliche Vernunft“ (Phil 4,7). Doch das Gegenteil sei leider oft der Normalfall religiöser Kommunikation in Europa gewesen: „In einer Zeit, in der manch‘ zivilisatorischer Rückschritt Anlass zu Sorge gibt, sind wir gut beraten, das gute Miteinander religiöser Verschiedenheit zu pflegen und weiterzuentwickeln.“
Hintergrund zur ACKH in Hameln
Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Hameln (ACKH) fördert die Beziehungen und das Miteinander der Kirchen in der Stadt sowie die gemeinsame Verkündigung der frohen Botschaft. Miteinander wurden beispielsweise Stadtkirchentage organisiert und Begegnungen mit anderen religiösen Gemeinschaften gesucht. Sichtbar wird das Miteinander der verschiedenen Kirchen beispielsweise bei den seit vielen Jahren auf der Hochzeitsterrasse stattfindenden Pfingstgottesdiensten.
Die ACK Hameln zählt zur ACK Niedersachsen mit Sitz in Osnabrück. Bundesweit vertreten wird die ACK in Deutschland durch ihre ökumenische Zentrale in Frankfurt a.M.