Hameln. Zum 1. Juni tritt er seinen Dienst in der Stadtkirchengemeinde mit halber Stelle an, mit einer weiteren Hälfte als Springer im Kirchenkreis: Christoph Herbold, Pastor aus Leer. Herbold hielt am vergangenen Sonntag, 6. April, seine Aufstellungspredigt im Münster. Nach Martin Luther hatte die christliche Gemeinde ein Mitwirkungsrecht am Besetzungsverfahren. Sie macht sich dabei anhand des Gottesdienstes ein Bild vom Bewerber und kann in Sonderfällen Einwendungen gegen die Besetzung der Pfarrstelle durch ihn erheben. Niemand machte davon Gebrauch. Auf den Neustart und die Zusammenarbeit mit dem neuen Kollegen nach über zwei Jahren Vakanz, in denen Marktkirche und Münster zur Stadtkirchengemeinde zusammengewachsen sind, freut sich Dr. Heike Köhler, Pastorin an der Ev.-luth. Stadtkirchengemeinde Hameln.
Was zieht Christoph Herbold von Ostfriesland ins Weserbergland? „Der Stadtkirchengemeinde Hameln sind mit dem Münster und der Marktkirche zwei eindrucksvolle gottesdienstliche und spirituelle Orte anvertraut. Das „Haus der Kirche“ ist zudem ein bestens konzeptioniertes Gemeindehaus. Es ist ein Privileg, dort im Team Dienst zu tun“, freut sich der Pastor auf seine neue Aufgabe. Nach zehn Jahren in der Geschäftsführung einer großen Stadtkirchengemeinde in Leer reize ihn die Rückbesinnung auf das Wesentliche seines schönen Berufes: beharrlich und zuverlässig bei den Menschen und beim Evangelium zu sein: „Mich bewegt die Vorstellung, in der Gemeinde meine Gaben mit anderen zum Besten der Stadt (Jer 29,7) einzubringen.” Seine neue Berufstätigkeit führt den Gottesmann zurück zu den Wurzeln: Getauft in der Lutherkirche Holzminden, wuchs er in Bevern an der Weser auf. „Mich lockt es, in die alte Heimat zurückzukehren. Hameln ist zweifelsfrei die Perle des Weserberglandes“, bekennt Herbold.
Kirche wird nach seiner Erfahrung dort attraktiv, wo sie das Leben von Menschen in der Stadt teilt: mit Leben in Gemeinschaft auf Zeit, etwa der Vesperkirche oder dem Feierabendmahl oder „Urlaub ohne Koffer“ – alles Angebote, an denen jeder und jede teilnehmen könne. Mit verlässlicher Begleitung an den Wendepunkten des Lebens, besonders vor dem Hintergrund der Erfahrung von Einsamkeit. Kirche macht sich für den neuen Pastor dort interessant, wo sie Leben in der Stadt mitgestaltet: etwa wie bei den Aufführungen der Johannes-Passion in der Marktkirche, dem Vortrag des ehemaligen Landtagspräsidenten Jürgen Gansäuer zu 80 Jahre Kriegsende am 8. Mai im Münster oder Stadt- und Tauffesten.
In seiner Freizeit schwimmt und wandert der 58-jährige gerne. Gymnastik und Radfahren zählen ebenfalls zu seinen Lieblings-Sportarten. Liederkompass.de und arbeitshilfe-gottesdienstbuch.de sind zwei Projekte aus dem Gottesdienst, die ihn auch in seiner Freizeit beschäftigen. „Wie in meinem Beruf, feiere ich auch privat gerne das Leben“, sagt Herbold und lächelt dabei.