Zum mittlerweile 17. Mal gab es einen schönen Brauch in der Rattenfängerstadt: Mit der Einschreibfeier am 13. September dokumentierte das heimische Handwerk den hohen Stellenwert, den eine fundierte Ausbildung im Handwerk heute bietet und gratulierte allen 210 Jugendlichen zu ihrer Berufswahl mit Zukunft. Dazu fand ein überkonfessioneller Gottesdienst im Münster mit Superintendent Dr. Stephan Vasel statt. „Das Handwerk hat seinen Stellenwert als Garant für gute Ausbildung wieder in den Fokus vieler Jugendlicher gerückt“, freute sich Kreishandwerksmeister Wilhelm Bente. Die Feier symbolisiert die Aufnahme der neuen Auszubildenden in das Handwerk. Das wird – nach einer alten Tradition – am Kirchenaltar mit einem Schluck aus dem Innungskrug besiegelt.
Früher gab es für die Lehrlinge nach der Probezeit eine Eintragung in die Handwerksrolle. Daraus entstand die Idee einer Einschreibfeier. Wichtig zu wissen: Junge Menschen können auch nach dem 1. August noch einen Ausbildungsvertrag im Handwerk schließen, um dann im September, Oktober oder November eine Ausbildung zu beginnen. Die am häufigsten gewählten Ausbildungsberufe sind Anlagenmechaniker für Sanitär, Heizung, Klima, Elektroniker und Kraftfahrzeugmechatroniker. Allen Jugendlichen stehen nach ihrer Ausbildung mehrere Karrieremöglichkeiten zur Auswahl: ein weiterführendes Studium, die Meisterausbildung, fachbezogene Fort- und Weiterbildungen oder die Gründung eines eigenen Handwerkbetriebs. Die Zeremonie der Einschreibfeier begann, mit einem Umzug nach Innungen sortiert und begleitet von der Hemeringer Brass Band, von der Elisabeth-Selbert-Schule am Münsterkirchhof durch die Fußgängerzone zur Marktkirche und dann zurück zum Münster.
„Tausende Brücken müssen in Deutschland bis 2032 saniert werden – 400 pro Jahr“, sagte Stephan Vasel in seiner Predigt mit der Überschrift „Auf Gott hoffe ich und fürchte mich nicht“ (Psalm 56,12). Dafür brauche man Geld, und Menschen, die das können. Es gingen mehr Menschen in den Ruhestand als neu ins Arbeitsleben einsteigen. „Entsprechend groß ist daher die Freude über jede und jeden von Ihnen, die eine Ausbildung beginnen“, betonte der Superintendent. Nur noch zehn Prozent der Bevölkerung seien zwischen 15 und 24 Jahre alt. Es werde immer wieder behauptet, die sogenannte Generation Z sei im Vergleich zu früheren Generationen kaum belastbar, habe aber hohe Ansprüche. „Wissenschaftlich ist mehrfach erwiesen, dass das nicht stimmt“, unterstrich Vasel.
„Auf Gott hoffe ich und fürchte mich nicht.“ Dieser Satz, dieses alte Gebet, beeindrucke ihn, berichtete Stephan Vasel. Furcht führe zu Lähmung. „Was wir brauchen, ist dagegen eine Haltung der Hoffnung, die aktiv Ausschau hält, wie es gut und besser werden könnte.“
Er schloss seine Predigt mit den Worten: „Von Luther wissen wir – jeder Mensch hat eine von Gott gegebene Berufung und damit einen Beruf. Und einem Beruf nachzugehen, ist – so betrachtet – auch ein Stück Gottesdienst. In dem Sinne, dass wir die Gaben nutzen, die Gott uns schenkt, und in uns hineinhören, wohin wir uns berufen wissen.“ Harald Langguth