Hameln. 2.300 Schülerinnen und Schüler gehen auf die Elisabeth-Selbert-Schule – eine berufsbildende Schule des Landkreises Hameln-Pyrmont mit mehreren Standorten in der Rattenfängerstadt. 1200 von ihnen feierten am vergangenen Freitag zwei multireligiöse Weihnachtsfeiern im Münster. An der Schule werden viele Berufe unterrichtet: Gesundheit und Pflege, Ernährung und Hauswirtschaft, Agrarwirtschaft, Sozialpädagogik, Körperpflege, Wirtschaft, Ingenieurwissenschaften sowie Sprache und Integration.
Bei der ersten Feier führte Superintendent Dr. Stephan Vasel auch Pastorin Dr. Sabine Wagner als neue Religionslehrerin der Schule ein. „Bei neuen Pastorinnen und Pastoren gibt es die schöne Sitte, mit Gebet und Segen auf neue Stellen einzuführen. Segen gibt es oft. Wir sagen damit: Was wir tun, geschieht nicht nur aus eigener Kraft. Es ist uns auch etwas geschenkt, aus dem wir schöpfen können für uns selbst und andere“, hob Stephan Vasel hervor.
Für den Segen hatte sich Sabine Wagner den Bibeltext „Ich will dich segnen… und Du sollst ein Segen sein“ aus dem ersten Buch der Bibel (Genesis 12,2) ausgesucht. Es ist Abraham, dem dieser Segen ursprünglich gilt. „Das passt auch gut in den multireligiösen Kontext dieser Schule. Abraham spielt eine große Rolle im Christentum, im Judentum und im Islam“, berichtete Vasel.
Sabine Wagner ist der Vers deshalb so wichtig, weil er sie ermutigt und stärkt und erst dann sendet und beauftragt. Genauso versteht sie ihren Dienst an der Elisabeth-Selbert-Schule: Als Gestaltungsspielraum, der ihr eine große Freiheit eröffnet, aber auch eine große Verantwortung beinhaltet. „Diesen Dienst kann ich auch deswegen fröhlich und unverzagt annehmen, weil ich weiß, dass ich ihn nicht aus eigener Kraft verrichten kann und muss“, bekräftigt die neue Religionslehrerin an der Elisabeth-Selbert-Schule.
Sabine Wagner hat einen weiten Horizont. Sie stammt aus Rumänien und kam als Jugendliche nach Deutschland. Sie studierte in Deutschland, Irland und in den USA Mathematik und Theologie, was Superintendent Vasel als „eine spannende Konstellation“ bezeichnete. Freude an ihrer neuen Aufgabe bereitet ihr das Unterrichten und die Perspektivenvielfalt an der Elisabeth-Selbert-Schule. „Eine schöne Aufgabe ist das, euch als Schülerinnen und Schüler zu begleiten. Ich komme und fahre mit Freude und vergnügt“, beschreibt sie ihre Vorfreude auf die neue Tätigkeit.
„Die Bibel erzählt 1000 Jahre Gottesgeschichte. Sie berichtet davon, wie Menschen in unterschiedlichsten Zusammenhängen und Lebenslagen ihren Gott erfahren haben. Damit ist sie auch heute noch lebensdienlich und alltagstauglich“, berichtet die neue Schulpastorin. Sie weiß: Die Gottesbilder ihrer Schülerinnen und Schüler unterscheiden sich deutlich nach ihren jeweiligen kulturellen und geografischen Erfahrungen. „Ich sehe meine Aufgabe darin, diese Gottesbilder in ihrer Vielfalt wahrzunehmen, ihre unterschiedlichen Perspektiven zu würdigen und sie miteinander ins Gespräch zu bringen“, sagt Wagner.
In ihrem Unterricht thematisiert sie gerade die unterschiedlichen Reaktionen von Angehörigen, Nachbarn und Freunden auf die noch sehr junge, schwangere Maria, die Mutter von Jesus Christus. Dabei beruft sie sich auf den Theologen Karl Barth, der Theologie mit der Bibel in der einen und der Zeitung in der anderen Hand betreiben wollte. Die Bibel steht für den religiösen Blick auf die Welt, die Zeitung für die Alltagstauglichkeit der Theologie. Beides gelte es miteinander zu verweben, sagt Wagner. In ihrer Freizeit liest die neue Schulpastorin gerne und ist in der Natur unterwegs. Auch verreist sie gerne.
„Weniger Angst, mehr Interesse füreinander zeigen: Unsere Schule will ein Wohlfühlort und Ort der Kommunikation sein“, sagte Schulleiter Björn Ole Lenz in seiner kurzen Rede. „Vertrauen ist die Grundlage von allem, was wir tun können, um gemeinsam in die Zukunft zu schauen. In Ihren Berufen ist ganz viel Vertrauen wichtig“, betonte er vor den Schülerinnen und Schülern.
Bei der multireligiösen Weihnachtsfeier im restlos gefüllten Münster rockte die Elisabeth-Selbert-Schule regelrecht das Gotteshaus. Dafür sorgten der Schulchor und Gitarrist Jeremias Scharfenberg, Diakon Michael Frey als Leiter des Team Religion und die Schüler selbst. Engel mit Flügeln wie Rosa (18) und Leyla (16) sorgten für einen guten Ablauf. Im Zentrum der Darbietungen stand das Thema Einsamkeit und der Weg daraus zu einer Gemeinsamkeit. Dazu wurde das Lied „Bitte gib‘ mir nur ein Wort“ gesungen. Das symbolisierten ein stummer, blinder und ein tauber Mensch als sehenswerte Pantomimen. Geburtstagskinder wurden mit „Viel Glück und viel Segen“ besungen, Kerzenlichter verschenkt, Taschenlampen geschwenkt. „Eine unglaubliche Stimmung ist das hier heute“, freute sich ein Zuschauer. Harald Langguth