KV

Mit Lust und Liebe vereint beim Kirchenmusikfest zum Reformationsjubiläum

Nachricht Aerzen, 10. September 2017

(Aerzen) Das erste Kirchenmusikfest des Kirchenkreises Hameln-Pyrmont als vollen Erfolg zu bezeichnen, wäre weit untertrieben. Unter der Leitung von Kirchenkreiskantor Stefan Vanselow konnten sich Mitwirkende und Besucher eines überaus launig-musikalischen Nachmittags in Aerzen erfreuen. Musik lag einfach in der Luft zwischen Marienkirche, Gemeindehaus und Domänenburg.

„Wissen Sie“, raunt der ältere Herr mir zu, „heute singen meine Frau und ich zum ersten Mal gemeinsam“. Ich sehe ihn verdutzt an. Wir sitzen auf der Empore der Marienkirche und warten auf den Anfang vom Ende, also die Abschlussandacht des sonntäglichen Kirchenmusikfestes in Aerzen.

Er lächelt mich verschmitzt an:“ Ja, meine Frau singt in der Kantorei in der Marktkirche und ich in der Martin-Luther-Kantorei. Und heute singen wir zum ersten Mal miteinander.“ Ok, dann ist das hier eben auch eine ganz individuelle Familienvereinigung, denke ich vergnüglich, während der Sänger sich aufmacht, seine vertraute Frau Musica zu suchen. Die junge Mutter mit ihrem Baby zu meiner Linken treffe ich nun schon zum dritten Mal an diesem Nachmittag, wir lächeln uns freudig zu, als ob wir uns schon lange kennen würden. Diese kleinen Anekdoten passen gut zu dem ersten kirchenkreisweiten Musikfest. Mehr noch, sie spiegeln die einzigartige Atmosphäre des musikalischen Sonntagnachmittags wieder: Unter der Leitung des Kirchenkreiskantors Stefan Vanselow und zahlreichenden Mitwirkenden hat sich ein dynamisch buntes und lebendiges Treiben rund um und in der Aerzener Marienkirche entwickelt. Überall Musik, zum Mitsingen, Mitmachen und Zuhören. Dazwischen immer wieder gut gelaunte Menschen, große und kleine, die Atmosphäre ist locker beschwingt, ich komme mir vor wie auf einem riesigen Familienfest. Sogar die Sonne ist zur Feier des Tages erschienen.

Seit – oder besser noch – dank Martin Luther ist die evangelische Kirche eine Kirche der Musik. „Vor der Reformation war die Gemeinde beim Gottesdienst eigentlich außen vor“, erzählt mir Dr. Marion Müller. Die Aerzenerin muss es wissen, gerade erst ist ihr Buch über die Reformation in Niedersachsen erschienen: „Auch im Hamelner Münster wurde die Messe zwar vor aber nicht mit dem Volk gefeiert.“

Das von Luther und seinen Freunden komponierte und gedichtete deutsche Volksliedgut reformierte den Gottesdienst wurde zum Markenzeichen des Evangelischen. Lieder, davon war Luther überzeugt, prägen sich stärker ein als jedes gesprochene Wort. Mit ihren gedichteten Texten fahren sie singend in die Seele hinein. Und seine Lieder sind „Wir“-Lieder.

Was vor 500 Jahren begann und wesentlich die Reformation beeinflusste, begeistert auch heute noch – nicht nur beim Musikfest in Aerzen: Mit Lust und Liebe verkündet die Gemeinde singend und musizierend ihr christliches Bewusstsein. Mit der Liebe zur Musik vereint über alle Generationen. Einfach schön war´s in Aerzen… Luther hätt’s gefallen.

Abbildung: Das Trost- und Schutzlied „Ein feste Burg ist unser Gott“ wird feierlich im Stehen gesungen. Text und Bild: Heike Beckmann

Nun freut euch, lieben Christen g’mein, und lasst uns fröhlich springen, dass wir getrost und all in ein mit Lust und Liebe singen, was Gott an uns  gewendet hat und seine süße Wundertat; gar teu’r hat er’s erworben.

Martin Luther