"Wo Du hingehst, will ich auch hingehen"

Ellen Frey ist ehrenamtliche Kreisbeauftragte für die EVANGELISCHEN FRAUEN. Foto: Privat

„Wo du hingehst, da will auch ich hingehen“: Wissen Sie, wer das gesagt hat? Und zu wem?  Nein, es war kein verliebter Mann zu einer Frau. Es war eine junge Frau, die ihre Schwiegermutter in ein ihr selbst fremdes Land begleitet. Rut erfährt Wertschätzung und Liebe von ihrer Schwiegermutter Noomi. Durch alles Leid hindurch halten sie durch: Beide verlieren ihre Männer. Noomis Söhne sterben. Rut bleibt kinderlos. Woher nehmen sie die Kraft, jetzt Entscheidungen zu treffen, die ihr Überleben sichern? Was hilft ihnen, mutige Ideen zu entwickeln und zu handeln, so dass sie tatsächlich am Ende ein gutes Leben finden? In den Gottesdiensten zum Frauensonntag lernt man die Geschichte von Rut und Noomi näher kennen. Die nächsten Termine: Bad Münder, Petri-Pauli-Kirche Bad Münder, 18. Oktober, 10 Uhr. Klein Berkel, Vizelinkirche, 8. November, 17 Uhr. Ellen Frey ist als ehrenamtliche Kreisbeauftragte für die EVANGELISCHEN FRAUEN eine der Organisatorinnen dieser Gottesdienste. Im Interview schildert sie die Hintergründe.

Warum gibt es spezielle Gottesdienste für Frauen am Frauensonntag?

Es sind keine Gottesdienste für Frauen - es sind einfach Gemeindegottesdienste, die von Frauen vorbereitet werden. Sie sind in der Ökumenischen Dekade der „Kirchen in Solidarität mit Frauen“ von 1988 bis 1998 entstanden, damit endlich auch Lebens- und Glaubenserfahrungen von Frauen einen Raum bekommen in der Bibelauslegung und in den Gottesdiensten. Deshalb wurden Frauen ermutigt, ihre theologische und liturgische Kompetenz einzusetzen und aktiv Gottesdienste zu gestalten, im Wesentlichen ehrenamtlich, auf Basis von Arbeitshilfen mit einer fundierten Exegese. In anderen Landeskirchen, wie der Evangelische Kirche im Rheinland, heißt er übrigens „Miriamsonntag“. Da entsteht nicht dieser Irrtum, dass es ein Gottedienst nur für Frauen wäre. Für Männer haben die Gottesdienste auch eine Bedeutung: Sie lernen die Lebenswelt von Frauen wahrzunehmen; ihre Kompetenz und Ausdrucksformen wertzuschätzen. Von der Landesstelle der EVANGELISCHEN FRAUEN in Hannover bekommen wir Unterstützung: Die Werkstätten zum Frauensonntag – ob in Präsenz oder digital – verbinden uns mit der landeskirchlichen Frauenarbeit.

Gibt es eine besondere Inszenierung?

Die vorbereitenden Frauen haben große Freude daran, diese Gottesdienste lebendig zu gestalten - mit sinnlichen Elementen, wie dem Betrachten von Bildern, Handsalbungen, Murmelgruppen und so weiter. Da diese Gottesdienste eigentlich immer im Team vorbereitet werden, sind dort viele Stimmen zu hören, Predigttexte können als szenische Lesung vorgetragen werden. Anspiele oder Verkündigungsteile in Form von Rollenspielen machen die Inhalte für die Gemeinde eindrücklich und gut nachvollziehbar. Ansonsten folgen sie der normalen Liturgie eines Gottesdienstes, aber eher in aufgelockerter Form.

Welche Rolle spielst Du dabei? 

Ich bin ein Gemeindemitglied der Kirchengemeinde an der Hamel, die zusammen mit Petra Schwuchow die Vorbereitungsgruppe für den Gottesdienst zum Frauensonntag in unserer Gemeinde leitet. Als ehrenamtliche Kreisbeauftragte für die EVANGELISCHEN FRAUEN in unserem Kirchenkreis sorge ich zusammen mit meinem Team aber auch dafür, dass die Frauen in den Gemeinden erfahren, wann Werkstätten zur Vorbereitung des Gottesdienstes zum Frauensonntag in unserer Landeskirche stattfinden. Wir unterstützen auch manche Teams mit Material oder Ideen. Und wir informieren, wann und wo ein Gottesdienst zum Frauensonntag stattfindet.

Auf welchen Bibeltext bezieht sich die Geschichte von Rut und Noomi?

Die Geschichte von Rut und Noomi steht im Ersten Testament im Buch Rut. Es hat vier Kapitel und ist das einzige Buch in der Bibel, das praktisch ganz aus der Lebenserfahrung einer Frau erzählt. Die gesamte Geschichte kommt auch im Gottesdienst vor. Rut wird ja als Mutter von Obed, dem Urahn von David, auch zu einer Stammmutter von Jesus. Daher ist diese Geschichte wahrscheinlich in der Bibel gelandet.

Kommt man anschließend über das Gehörte miteinander ins Gespräch?

Im Anschluss an diese Gottesdienste gibt es immer die Möglichkeit zum Gespräch: im Rahmen von Kirchenkaffee oder – wie vor einigen Wochen in Hemeringen – sogar bei einem gemeinsamen Imbiss im Gemeindehaus mit wunderbaren Leckereien! Harald Langguth