Ich schaue aus dem Fenster und sehe die großen Maschinen, die im Scheinwerferlicht die Ernte einfahren. Es ist weit nach Mitternacht. Es ist spät, aber noch nicht so spät, dass sich Tau gebildet hat. Ein paar Stunden wird die Ernte wohl noch gehen. Wenn der Tau dann am Morgen abgetrocknet ist, geht es weiter. „Bis weit in die Nacht…“. Das denke ich mir oft, wenn ich nachts noch auf den Feldern die Landwirte mit ihren Maschinen sehe.
Und dann denke ich an die, die sogar Viehwirtschaft betreiben. Jeden morgen früh aufstehen. Es gibt keinen Feiertag, keinen Sonntag, kaum Ferien. Krankheit darf nicht sein. Die Tiere müssen versorgt werden. Und mir kommt in den Sinn: Was leisten diese Menschen alles für die Gesellschaft? Und wie wenig Anerkennung erfahren sie?
Als es im französischen Bordeaux brannte, kamen die dortigen Landwirte mit ihren riesigen Maschinen und halfen, den Waldbrand zu löschen. Ein starkes Zeichen. Und ich dachte mir: Hier werden sie beklatscht, aber das, was sie jeden Tag leisten, sieht keiner. Die immer strenger werdenden Auflagen, die steigenden Kosten, der Preisdruck, der Nachfolgemangel - kleine und mittlere Betriebe können nicht mehr und geben auf. Die harte Arbeit, die mangelnde Wertschätzung, die weniger werdende Wirtschaftlichkeit: All‘ das führt dazu, dass die Hälfte der Bauernhöfe bis 2040 verschwunden sein wird. Ich frage mich: Ist das in unserem Interesse? Und was können wir als Konsumenten dagegen tun?
Wir feiern im Oktober das Erntedankfest, und wir danken Gott für seine Schöpfung. Wir danken ihm, dass wir diese Erde übertragen bekommen haben, sie verwalten dürfen und von ihr leben dürfen. Aber wir bekommen sie nicht einfach so. Im Schweiße unseres Angesichts (Gen 3, 19) müssen wir uns um unsere Nahrung kümmern – so steht es im Schöpfungsbericht. Landwirtschaft ist harte Arbeit.
Darum ist für mich klar, dass wir beim Erntedankfest auch unseren Landwirten danken! Im Schweiße ihres Angesichts arbeiten sie unermüdlich Tag und Nacht, damit wir uns in Deutschland um unsere Ernährung keine Sorgen machen müssen.
Wie können wir diesen Dank sichtbar machen? Wir als Konsumenten haben mit unserem Kaufverhalten die Macht, dem Höfesterben entgegenzuwirken: Indem wir regionale, fair eingepreiste Produkte kaufen, indem wir auf die Herkunftsländer der Produkte achten, indem wir saisonal kaufen.
Wertschätzung fängt aber schon auf der Straße an: Indem wir uns nicht über den Trekker vor uns ärgern, sondern indem wir den Moment nutzen und innerlich den Landwirten für Ihre Arbeit und Gott für seine Schöpfung danken! Amen.
Pastorin von Dewitz-Bodman, Beauftragte für Landwirtschaft und den ländlichen Raum