„Menschenwürde, Nächstenliebe, Zusammenhalt wählen!“ So lautet der Denkanstoß, den die Landeskirche in diesem Wahljahr für die Demokratie auf den Weg gebracht hat. Drei SchlagWorte: Würde, Liebe und Halt - drei Haltungen, die eine lebendige Demokratie prägen, aber auch unsere Haltung während der Vesperkirche widerspiegeln. Vesperkirche, das ist in etwa so wie ein ausführliches Abendmahl.
WÜRDE – Der Startpunkt auf Augenhöhe
In unserem Grundgesetz steht ganz vorne: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Ein riesiger Satz. In einer Demokratie bedeutet das: Jeder Mensch hat denselben Wert. Völlig egal, woher du kommst, was du verdienst oder woran du glaubst. Deine Stimme zählt gleich viel.
Wenn wir mal zurückschauen, wen Jesus zum Abendmahl eingeladen hat? Dann saßen da Fischer, Zollbeamte, Ausgestoßene und Freundinnen auf Augenhöhe zusammen. Da gab es keine Sitzordnung nach Status.
Wir sind schon sehr gespannt, wer bei der diesjährigen vierten Vesperkirche an den langen Tischreihen nebeneinander zum Sitzen und ins Gespräch kommen wird. Das Abendmahl ist, wenn man so will, der Ur-Ort der Menschenwürde. Hier gibt es keine VIP-Plätze. Gott gibt jedem und jeder von uns die gleiche, unerschütterliche Würde. Du bist gewollt. Punkt.
HALT – Vielfalt, die trägt
Demokratie lebt von Diskussion. Wir sind nicht immer einer Meinung, und das müssen wir auch nicht. Aber Demokratie braucht ein Fundament, das uns zusammenhält, wenn es mal stürmisch wird. Sie braucht Zusammenhalt. Beim Abendmahl teilen wir das Brot. Wenn wir das tun, drücken wir aus: „Wir gehören zusammen. Ich halte dich aus, ich halte zu dir, und wir halten einander.“ Das Brot bricht zwar, aber es verbindet uns. Es gibt uns Halt, weil wir merken: Ich muss meinen Weg nicht allein gehen.
LIEBE – Der Treibstoff
Was nützt uns die beste Ordnung, wenn das Herz fehlt? Eine Demokratie kann Gesetze beschließen, aber sie kann die Menschen nicht dazu zwingen, nett zueinander zu sein, respektvoll miteinander umzugehen. Dafür braucht es Nächstenliebe. Liebe ist im christlichen Kontext kein kitschiges Gefühl, sondern eine Haltung. Sie bedeutet: Ich sehe dich. Ich respektiere dich. Ich setze mich für dich ein, besonders wenn du gerade schwach bist. Das Abendmahl ist das ultimative Zeichen dieser Liebe. Jesus hat nicht gesagt: „Verhaltet euch erst perfekt, dann dürft ihr mitessen.“ Die Einladung ist ein Geschenk. Sie ist gelebte Liebe, die den ersten Schritt macht.
„Masken runter - Gesicht zeigen“, heißt das diesjährige Motto der Vesperkirche. Die Vesperkirche ist ein sichtbarer Ort, an dem Menschenwürde, Zusammenhalt und Nächstenliebe gelebt werden. Schau doch mal rein! Dr. Heike Köhler