In diesen Wochen erinnern sich Christinnen und Christen an das Leiden und Sterben Jesu Christi. Doch es geht dabei nicht nur um ein historisches Geschehen, sondern um eine persönliche Auseinandersetzung mit Fragen von Leid, Schuld, Hoffnung und Neubeginn.
Ihren Ursprung haben Passionsandachten in der frühen Kirche. Schon seit dem 4. Jahrhundert erinnern Christen in der Zeit vor Ostern bewusst an den Leidensweg Jesu. Besonders geprägt wurde diese Tradition durch Andachtsformen wie die Kreuzwegandacht, die einzelne Stationen des Leidens Jesu betrachtet. Auch Kompositionen wie die Passionen von Johann Sebastian Bach haben diese Zeit musikalisch tief geprägt.
Passion“ kommt vom Lateinischen „pati“ und bedeutet „leiden“, „erdulden“ oder „ertragen“. Die 46 Tage zwischen Aschermittwoch und Karfreitag erinnern an die Leidensgeschichte Jesu, die mit der Kreuzigung am Karfreitag endet. Die Passionszeit lädt deshalb dazu ein, eingefahrene Gewohnheiten kritisch zu überprüfen, das Leben neu auszurichten, Überflüssiges und Schädliches wegzulassen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. In einer Zeit zahlreicher globaler und gesellschaftlicher Konflikte, wachsender gesellschaftlicher Spaltung und schwindender Toleranz, wachsen bei vielen Menschen Ängste und Sorgen vor der Zukunft. Andachten in der Passionszeit unterstützen bei der Suche nach Halt, Orientierung und Konzentration auf die wesentlichen Werte für ein friedliches Zusammenleben. In einer oft hektischen und lauten Welt schaffen sie einen Raum der Ruhe. Musik, Gebete, Texte aus der Bibel und kurze Impulse helfen dabei, zur eigenen Mitte zu finden und sich mit den existenziellen Themen des Lebens auseinanderzusetzen: Wo erlebe ich selbst Leid? Wo brauche ich Hoffnung? Was gibt mir Halt?
Sie laden dazu ein, gemeinsam unterwegs zu sein – im Glauben, im Nachdenken und im Austausch. Gerade für Menschen, bei denen sich die Lebenssituation verändert können diese Andachten eine besondere Bedeutung haben:
Passionsandachten sind also kein Pflichtprogramm, sondern eine Einladung: innezuhalten, mitzufühlen, nachzudenken – und Hoffnung zu entdecken, die über das Leiden hinausgeht.
Die Kirchengemeinde Bad Münder lädt schon seit vielen Jahren, immer mittwochs von 19.00 bis 19.30 Uhr, zu Passionsandachten in den Turmraum der Petri-Pauli-Kirche Bad Münder ein. In diesem Jahr orientieren sich die Andachten an dem Motto der Fasten-Aktion der EKD „7 Wochen Ohne“ „Mit Gefühl! Sieben Wochen ohne Härte“. Im Mittelpunkt steht der mitfühlende Umgang miteinander: den Schmerz anderer wahrnehmen, Halt geben und neue Wege des Miteinanders
Die Passionszeit wird auch Fastenzeit genannt, da viele Gläubige fasten oder sich Zeit nehmen für Besinnung und Gebet. Besinnung durch Verzicht, um sich auf das Wesentliche zu besinnen.
Wie viel ist genug? Diese Frage steht im Zentrum der bundesweiten Aktion „Klimafasten“ von Aschermittwoch bis Ostersonntag. Sie lädt ein, in Fastengruppen ökumenische Gemeinschaft zu (er)leben und jede Woche einen anderen Aspekt der Frage „Wie viel ist genug?“ Eine Veranstaltungsreihe zum „Klimafasten“ findet beispielsweise in der St. Johannis-Kirchengemeinde Groß Berkel statt. Weitere Fastenangebote gibt es in Bad Pyrmont. Anja Langkopf