"Im Vikariat wusste ich - dieser Beruf ist für mich der richtige"

Benjamin Westerkamp schöpft im Urlaub neue Kraft. Foto: Katja Westerkamp

Ab April ist er der neue Pastor in der Martin-Luther-Kirchengemeinde in Hameln. Am Ostermontag, 6. April, wird er dort um 15 Uhr von Superintendent Dr. Stephan Vasel ordiniert. Wir baten ihn zum Interview – mit interessanten Einsichten. So ist Benjamin Westerkamp in seiner Familie der erste Pastor.

Pastor sein ist ja oft ein ererbter Beruf – wie war denn Ihr Weg dorthin?

Benjamin Westerkamp: Ich bin in einer christlichen Familie aufgewachsen. Mein Vater ist Lutheraner und war einige Zeit im Presbyterium in meiner Heimatkirchengemeinde, meine Mutter war erst römisch-katholisch und wurde dann auch evangelisch. In meiner Familie werde ich der erste Pastor sein. Dabei hatte ich mich mit 13 Jahren erst geweigert, mich zum Konfirmandenunterricht anzumelden. Die Konfirmation habe ich dann mit 18 nachgeholt und nach der Schule ein Theologiestudium in Münster begonnen. Bei der Überlegung nach einem Beruf war ich zu dem Schluss gekommen, dass ich gerne etwas machen möchte, was mir das Gefühl gibt, etwas Sinnvolles zu tun, das auch anderen Menschen hilft. Da ich kurz zuvor meinen Glauben wiedergefunden hatte, schien mir der Pastorenberuf dazu gut zu passen. Im Studium habe ich dann unter anderem durch ein Praktikum in der Luther-Kirchengemeinde Düsseldorf bei Pfarrer Ralf Breitkreutz schnell festgestellt, dass ich die Theologie und den Pfarrberuf wirklich spannend finde.

 

Gab es einen besonderen Moment oder eine Phase, in der Sie festgestellt haben: „Ja - ich möchte Pastor werden“!

Benjamin Westerkamp: Gegen Ende der Schulzeit keimte die Idee in mir. In den ersten Semestern an der Uni hat sich dann bestätigt, dass es wirklich der Beruf ist, den ich ergreifen möchte. Das einmonatige Praktikum hat mich weiter bestärkt. Endgültig entschieden hat es sich für mich im Vikariat. Hier habe ich die Vielseitigkeit des Pfarrberufs intensiv kennen- und schätzen gelernt und gemerkt, dass – bei allen Herausforderungen – dieser Beruf für mich der richtige ist.

Wer hat Sie dabei ermutigt und geprägt?

Benjamin Westerkamp: Die Gemeinschaft mit anderen Menschen hat mich dabei ermutigt. Meine Frau Katja, die ebenfalls Theologie studiert, mein Vikariatsmentor Pfarrer Christoph Pfeiffer, meine Kollegen und Kolleginnen im Seminar für Pastorale Ausbildung in Wuppertal sowie die dortigen Dozierenden: Diese Erfahrungen christlicher Gebets-, Dienst- und Lebensgemeinschaft haben mich sehr berührt und geben mir Mut für die Zukunft.

Gab es in ihrem Vikariat oder Studium besondere Erlebnisse oder Erfahrungen, die Sie geprägt haben?

Benjamin Westerkamp: Vor meinem Vikariat hätte ich nicht gedacht, dass mir die Arbeit mit Kindern solche Freude bereitet. Dann hat mich mein Mentor, Pfarrer Pfeiffer, mit in einen Kindergarten genommen, damit ich dort erst bei seinen Kindergartenandachten zuschaue und dann später selbst aktiv werde. Dadurch habe ich gelernt, wie viel Spaß es macht, auf kreative und spielerische Weise mit Kindern Bibelgeschichten zu erforschen. Für Kinderaugen ist vieles spannend, wo die Erwachsenenaugen einfach drüber huschen. Ich glaube, ich habe das Jesuswort aus Matthäus 18,3 - „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder…“ - dadurch besser verstanden. Im Studium hat mich eine Exkursionsfahrt nach Israel besonders bewegt. Mit Professoren von der Universität Münster und Kommilitonen war ich elf Tage an vielen unterschiedlichen Ausgrabungsstätten, um etwas über das biblische Israel zu lernen. Besonders die im Frühling frisch erblühende Natur an den Jordanquellen hat mich beeindruckt.

Was wollen Sie mitnehmen in den pastoralen Alltag Ihrer neuen Gemeinde?

Benjamin Westerkamp: Ich möchte in Gemeinschaft mit anderen Menschen an der Gemeinde weiterbauen. Die Arbeit aufnehmen, die andere vor mir geleistet haben, und eigene Akzente einbringen. Und das alles mit einer Neugier auf Gott und der Bereitschaft, ihn im Alltag und in der Natur zu sehen.

Was nehmen Sie sich vor für die Arbeit in Ihrer Gemeinde?

Benjamin Westerkamp: Ich nehme mir vor, was ich an der Uni, im Predigerseminar und in meiner Vikariatsgemeinde gelernt habe, in meine Arbeit in der Gemeinde einzubringen. Ich möchte mit den anderen Gliedern der Gemeinde gut zusammenarbeiten und trotz all‘ der Schwierigkeiten unserer Zeit den Blick für die Hoffnung und das Schöne und Ermutigende bewahren. Ich wünsche mir, dass Zeit und Energie da sind und auch nach Wachstumspotenzialen Ausschau halten. Dafür ist es meiner Meinung nach wichtig genau zu schauen, was wir als christliche Kirche den Menschen bieten können, unser Profil zu schärfen und die Frohe Botschaft in Klarheit und Offenheit weiterzuerzählen.

Welche Rolle spielen Gemeinschaft, Seelsorge und Verkündigung für Sie?

Benjamin Westerkamp: Gemeinschaft ist mir sehr wichtig. In unserer krisengeschüttelten Welt und Kirche kann vieles kraftraubend sein. Da ist es wichtig, sich klarzumachen, dass ich nicht alleine bin. Die christliche Gemeinschaft ist noch immer groß und voller verschiedener Menschen mit unterschiedlichen Begabungen und Talenten. Kein Mensch kann ganz allein existieren. Nur in der Gemeinschaft können die großen und die kleinen Dinge angegangen und bewältigt werden. In der Gemeinschaft und mit Gottes Hilfe werden wir das auch schaffen. Die Seelsorge ist sehr wichtig, auf sie trifft in besonderer Weise zu, dass sie Kraftort in unserer herausfordernden Welt sein kann. Im Beruf des Pastors erfüllen mich die seelsorglichen Aufgaben mit großer Ehrfurcht. Hier merke ich den Vertrauensvorschuss, den Pastoren genießen, wenn andere Menschen wissen: Mit dem Pastor darf ich, wenn ich möchte, über alles vertraulich reden. Die Verkündigung ist für mich eine weitere zentrale Aufgabe unserer Kirche. Mich beschäftigt dabei besonders wie Predigten heute so gestaltet werden können, dass sie für die Hörenden spannend und interessant sind und das Reden dabei gleichzeitig gottverkündigend, evangelisierend bleibt. Wir wollen Menschen die Frohe Botschaft erzählen, und das heißt immer im Blick zu behalten: Wie kann ich authentisch von Gott reden, sodass es einen Anderen berührt?

Was reizt Sie daran, ins Weserbergland zu kommen?

Benjamin Westerkamp: Mich reizt die Schönheit der Gegend. Der Weserradweg, die vielen Naturschutzgebiete. Ich freue mich darauf, in meiner Freizeit - oder vielleicht hier und da auch beruflich - die Natur in und um Hameln zu erkunden und in Gottes schöner Schöpfung Kraft zu tanken. Ich bin auch sehr gespannt auf Hameln. Bisher wusste ich recht wenig über Hameln, abgesehen von der Rattenfängersage. Spannend werden für mich auch die Unterschiede zu meinem bisherigen Leben in Nordrhein-Westfalen. Das fängt bei Vokabelunterschieden an: Man sagt dort „Pfarrer“ und nicht „Pastor“. Es heißt das „Presbyterium“, nicht der „Kirchenvorstand“. Im letzten Jahrzehnt habe ich in Großstädten wie Münster, Wuppertal und Mülheim an der Ruhr gelebt. Damit ich in Hameln gut durchstarte, habe ich am Ende meines Vikariats noch schnell meinen Führerschein gemacht.

Haben Sie Familie – sind Sie verheiratet?

Benjamin Westerkamp: Ich bin mit meiner Frau Katja Westerkamp verheiratet. 2023 haben wir standesamtlich geheiratet und unsere Ehe 2024 kirchlich segnen lassen. Katja und ich haben uns im Studium in Münster kennengelernt, sind dann in die erste gemeinsame Wohnung nach Wuppertal gezogen und nach meinem Studienabschluss nach Mülheim an der Ruhr. Aktuell studiert Katja an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal. Nun wird sie in Göttingen ihr Theologiestudium fortsetzen.

Was gehört zu Ihren Hobbies?

Benjamin Westerkamp: Ich lese gerne hauptsächlich Fantasy, mache Sport, habe ein gewisses Interesse für die griechische Antike und Ameisen und spiele Mittelerde Tabletop. Das macht man mit Figuren, quasi modernen Zinnsoldaten, die man selbst bemalt: nur eben als Orks, Elben oder Menschen aus Tolkiens Welt. Harald Langguth