Karfreitag – der große Kontrapunkt zu dem, was die Christenheit nur zwei Tage später am Ostermorgen mit triumphalem Jubel erwartet – löst in uns modernen Menschen womöglich Unbehagen aus. Fremd ist uns dieser karge Tag geworden, so fern steht er doch dem alltäglichen Lebensgefühl. Jesus soll an diesem Tag ans Kreuz genagelt worden sein. Dort verstarb er, und mit ihm zunächst auch die Hoffnung. Bis zur Auferstehung an Ostern mussten seine Jüngerinnen und Jünger davon ausgehen, dass ihr Retter einfach verschwunden war. Die Welt war wieder ärmer geworden, in ihren Herzen war es wüst und leer, alles schien verloren.
Die Kirchen stellen diese Herzensleere auf ihren Altären nach: in einem Karfreitagsgottesdienst bleibt der Altar in vielen Kirchen abgeräumt und schmucklos, das Kreuz wird mit Tüchern verhangen. Für alle die Menschen, welche keinen Karfreitagsgottesdienst besuchen, hilft bis heute der Staat dabei, die von den Jüngern erlebte Leere nachzuempfinden: In Niedersachsen zum Beispiel tritt am Gründonnerstag um 5 Uhr morgens ein Tanzverbot in Kraft, das bis Mitternacht des Karsamstages gilt.
Diese Leere aber, die an Karfreitag vor etwa 1600 Jahren durch das gezielte Auslassen des Abendmahls zunächst liturgisch nachempfunden wurde, hält für uns eine wichtige Botschaft bereit: Sie fordert uns zum Aushalten auf. Sie weist darauf hin, dass nicht nur die leuchtende Hoffnung, sondern auch die bleierne Leere in unser Glaubensleben hineingehört. Sei es, dass uns Gott fremd geworden ist, oder sei es, dass uns durch den Verlust eines geliebten Menschen alle Freude am Leben verloren gegangen ist; so will sie uns an Karfreitag doch trösten. Die Leere, die wir heute noch empfinden, knüpft uns ein überzeitliches Band zum Glauben der ersten Jünger. In unserer Verlassenheit und unseren Zweifeln sind wir nicht allein. In die Leere hinein schenkte Gott uns vielmehr das Wunder der Auferstehung. Uns bleibt nur, Leere furchtlos anzunehmen, und sie getrost auszuhalten. Pastor Jacques Fabiunke