Highlights - die Johanneskapelle in Reher und der Pfarrgarten in Beber

Gruppenbild von der Bereisung der Region Nord vor der Kirche in Beber. Foto: Harald Langguth

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Das wusste schon Matthias Claudius und begann so 1786 sein Gedicht „Urians Reise um die Welt“. Am 21. Mai und am 5. Juni ging es zwar nicht um die Welt, aber per Bus für einen halben Tag in die neuen Regionen Süd und Nord im Kirchenkreis Hameln-Pyrmont. Diese Gelegenheit zur Erkundung der neuen Sozialräume wurde von vielen wahrgenommen – beide Busse waren gut gebucht. Am 8. April hatte die Synode des Kirchenkreises bekanntlich einstimmig eine weichenstellende Entscheidung getroffen – aus sechs Regionen werden zwei.

„Ein Schritt auf dem Weg, wie wir in den neuen Regionen arbeiten wollen, sind die Reisen. Die Routen wurde von der Kirchenkreiskonferenz erarbeitet. Nach vier Arten von Orten wurde gesucht: Heilige Orte, Zentrums-Orte, Energie-Orte und Nein-Orte. Und hinter jedem Vorschlag für ein Reiseziel steckt eine Idee, dass es etwas zu entdecken gibt, was sich für unsere kirchliche Arbeit als inspirierend erweisen kann“, schrieb Superintendent Dr. Stephan Vasel im Vorwort eines Reisejournals, das jeden Teilnehmenden anleitete zu notieren, was ihm im Laufe der Bereisung bei den beiden neuen Regionen auffiel. Holger Nollmann und Peter Meißner, beide Sozialraumexperten der Landeskirche, begleiteten die Gruppe. Die beiden hatten die Haltungen für die Erkundungen formuliert und Reflexionsfragen wie diese gestellt: „Wir suchen den Ort des Staunens.“ „Was ist Gottes Botschaft für Dich, die Dir dieser Ort überbringt?“ „Was könnte hier neu wachsen? Was will hier zu Ende gehen?“ Sachkundig die Sozialraumerkundungen begleiteten die zuständigen Pastoren, Pastorinnen und Kirchenvorstände.

Bei der Bereisung der Region Süd ging es am 21. Mai von Hemeringen über das Gut Posteholz nach Reher in die Johanneskapelle. In Grießem bei Bad Pyrmont wurde aus dem Fenster geschaut. In Neersen gab es eine Kaffeepause und eine Besichtigung der Pauluskirche. In Hämelschenburg wurde die Kapelle besichtigt, in Kirchohsen der Bahnhof und an der Großen Kreuzung vorbeigefahren. In Börry verzauberte der Pfarrgarten die Teilnehmenden – in Hastenbeck die Kirche. Zurück in Hemeringen genossen alle ein fulminantes Abendessen und zum Tagesabschluss eine Andacht in der Petrus-Kirche.

Bei der Bereisung der Region Nord am 5. Juni startete die Sozialraumerkundung im Ökumenischen Zentrum in Klein Berkel. Über einen Fensterblick auf Marktkauf und die St. Annen Kapelle in Wangelist ging es zunächst zum Werder. Hier gab es einen guten Blick auf die Marktkirche und das Münster. Die Kirchengemeinde zum Heiligen Kreuz wurde über ein Foto präsentiert. In Flegessen standen die Besichtigung von Kirche und Gemeindehaus an. Beide sind architektonisch interessant verwoben. In Hachmühlen gab es eine Eiserfrischung nach dem Gang in die Kirche. Über Bad Münder und Nettelrede machte die Gruppe dann einen Stopp in Eimbeckhausen, um Kirche und Gemeindehaus in Augenschein zu nehmen. Ein Highlight der Sozialraumerkundung war die Erkundung des Pfarrgartens in Beber. Ein köstliches Fingerfoodbuffet begeisterte alle. Zum Abschluss fand eine Andacht mit Superintendent Dr. Stephan Vasel in der St.-Magnus-Kirche in Beber mit Reisesegen statt.

Hier zunächst Stimmen zur Bereisung der Region Süd: Für Ira Weidner, Pastorin in Bad Pyrmont, war das Highlight die perfekte Planung und Organisation durch die Ephoralsekretärin Sabine Kuhlmann. „Der Zeitplan wurde minutiös eingehalten“, freut sie sich. „Es war sehr interessant und sinnvoll die Region zu bereisen, die Arbeitsorte der Kollegen kennenzulernen, in Kirchen zu sein, in denen man vorher nicht war“, urteilt die Pastorin nach der Bereisung.

Für Pastor Volker Jahnke gab es gleich mehrere Glanzlichter des Tages: Die Entdeckung des „Vader unser“ in der Kapelle in Reher. Das tolle Kuchenbuffet in Neersen. Dass der Pfarrgarten in Börry gut ankam – und die Toccata, die Organist Peter von der Osten in der Hastenbecker Kirche spielte.

„Ein Highlight für mich bestand darin, dass ich Menschen, die dies noch nicht kannten, die Johanneskapelle in Reher vorstellen durfte. Sicher eines der ältesten Sakralgebäude im Kirchenkreis mit einer besonderen Lage und Architektur“, betont Christof Vetter, Pastor in Aerzen. Ihn begeisterte die Kirche in Hastenbeck, die er noch nicht kannte. „Durch die Bereisung wurde wieder einmal deutlich, auf welche Distanzen wir uns einlassen, die im Leben unserer Gemeindemitglieder nicht vorkommen und sicher nicht zur Beheimatung dienen“, merkt er kritisch an.

Dies sieht Jens Riesener, Pastor in Hemeringen-Lachem, durch die Bereisung anders. „Die Größe der Region und die Entfernungen zwischen den einzelnen Orten waren mir im Vorfeld bewusst. So konnte ich es mir schwer vorstellen, dass es ein positives Ergebnis geben würde. Aber diese Bedenken wurden bei der Fahrt deutlich kleiner“, berichtet er. Riesener begeisterte der Enthusiasmus und die Freundlichkeit der Menschen, die ihren jeweiligen Ort präsentierten. „Da war ganz viel Liebe dabei. Alle wollten ihre Gemeinde in einem freundlichen und zukunftsfähigen Licht darstellen – das ist auf jeden Fall positiv für den Gedanken an eine Großregion“, lautete sein Fazit. Die Bereisung könne ein erstes Zeichen auf dem Weg zueinander sein. „Ob es wirklich zu einem regionalen Verständnis dieser Orte mit ihren so verschiedenen Prägungen kommen wird, vermag ich nicht zu sagen. Wir in Hemeringen haben durch unsere Mitarbeitenden alles Mögliche dafür getan“, betont er.

Bei der Bereisung der Region Nord am 5. Juni freute sich Pastor Christoph Herbold, mit einer halben Stelle Pastor in der Stadtkirchengemeinde und Springer im Kirchenkreis, auf inspirierende Begegnungen. Das Highlight des Tages waren für ihn der Pfarrpark in Beber und das gemeinsame Essen sowie die Kirche und das neue Gemeindehaus in Eimbeckhausen. „Ich bin dankbar, über den Tellerrand hinaus gesehen zu haben“, lautet sein Fazit mit einigen Tagen Abstand. Auch bei Aggie-Eleanor Vondewitz-Bodman, Pastorin in Wangelist, war die Vorfreude auf die Sozialraumerkundung der Region Nord groß. „Ich habe mich auf die Begegnungen mit den anderen Haupt- und Ehrenamtlichen gefreut“, sagt sie. Das Glanzlicht des Tages war für sie das liebevoll vorbereitete Fingerfood-Buffet in Beber. „Eine gemeinsame Zusammenarbeit mit einem köstlichen Essen zu beginnen ist der beste Start, den man als neue Region haben kann. Da ist mir das Herz aufgegangen“, schwärmt Vondewitz-Bodman. Ihr Urteil im Nachhinein: „Orte, durch die man sonst nur durchgefahren ist, bekamen ein Gesicht. Egal wie klein die Gemeinde – überall gibt es Menschen, die für den christlichen Glauben brennen, ihre Kirche und Gemeindehäuser erhalten und mit Leben füllen.“

Doris Schnorfeil engagiert sich ehrenamtlich in Hachmühlen, das ja ohne einen Kirchenvorstand auskommen muss, unter anderem bei der Erstellung des Gemeindebriefes. Sie benennt gleich drei Highlights des Tages bei der Sozialraumerkundung der Region Nord: Die Zusammenkunft auf dem Werder und die lebendige Vorstellung der drei Stadtkirchen auf einen Blick. Die mitreißende Rede von Diakonin Peggy Zawilla in der Kirche Hachmühlen mit ihrem Traun von einer künftigen Nutzung von Kirche und Gemeindehaus. Den Pfarrgarten in Beber und die tolle Verpflegung mit liebevoll erstellten und vielfältigen Kleinigkeiten. Ihr Fazit: „Ich habe vielfältige Eindrücke mitgenommen, nette Gespräche geführt und bin jetzt gespannt, wie sich die Region entwickelt.“ Harald Langguth