Mariae Himmelfahrt wird seit dem fünften Jahrhundert gefeiert

Martin Luther hatte eine hohe Achtung vor Maria. Foto: Christof Vetter

Juli, August und September. Bei uns in Niedersachsen sind das Monate ohne gesetzliche Feiertage. Auch in vielen anderen Bundesländern ist das so. Nur Bayern macht im August zwei Ausnahmen: Am 8. August wird in der Stadt Augsburg das Friedensfest gefeiert, am 15. August ist in vielen katholisch geprägten Gemeinden Mariae Himmelfahrt ein gesetzlicher Feiertag. Auch im Saarland ist dieser Tag ein Feiertag.

Unabhängig von gesetzlichen Regelungen ist der 15. August für viele katholische Christinnen und Christen ein wichtiger Tag. Mariae Himmelfahrt wird seit dem fünften Jahrhundert gefeiert, also seit einer Zeit lange vor der Reformation.

Martin Luther selbst hatte eine hohe Achtung vor Maria. Gleichzeitig kritisierten er und andere Reformatoren den ausgeprägten Marienkult ihrer Zeit, der Maria teilweise eine Bedeutung gab, die aus ihrer Sicht allein Gott zukommt. Nur Gott, nur Jesus und der Heilige Geist sind aus protestantischer Sicht göttlich, nur sie werden im Gebet angesprochen. Maria ist nach evangelischem Verständnis keine Himmelskönigin, sondern ein Mensch. Aber gerade als Mensch kann sie zum Vorbild werden: durch ihren Mut, ihr Vertrauen und ihre Bereitschaft, sich auf Gottes Weg mit ihr einzulassen.

Dafür braucht es keine Legenden. Die Bibel erzählt bereits von einer beeindruckenden Frau. Im Lukasevangelium begegnet uns Maria als jemand, der eine große Aufgabe annimmt und Vertrauen wagt. Beim Evangelisten Johannes steht sie unter dem Kreuz und bleibt bei ihrem Sohn, als sein Weg zu Ende geht. Und in der Apostelgeschichte wird erzählt, wie Maria nach Jesu Abschied gemeinsam mit den anderen Jüngerinnen und Jüngern betet.

Um über Maria als Mutter Jesu in der Reihe der beeindruckenden Mütter in der Bibel nachzudenken, braucht es keinen Feiertag zu ihrer Himmelfahrt. Ihr Leben selbst gibt genug Anlass. Auch ohne Feiertag. Christof Vetter