Kirchenkreis Hameln-Pyrmont organisiert sich neu

In der Sitzung am 8. April hat die Synode des Kirchenkreises Hameln-Pyrmont einstimmig eine Neuordnung des Kirchenkreises beschlossen. Der Kirchenkreis ist fortan in zwei Regionen aufgeteilt: Nord und Süd. Zuvor gab es über viele Jahrzehnte sechs Regionen. Die neuen Regionen dienen ab sofort der Stellenplanung und der regionalen Zusammenarbeit der diesen Regionen zugeordneten hauptamtlichen Mitarbeitenden. Bei dem Beschluss mit 47 Stimmen gab es weder Gegenstimmen noch Enthaltungen.

Geringere Zahl an Gemeindemitgliedern

Mit dem neuen Zuschnitt reagiert der Kirchenkreis darauf, dass die Zahl der Gemeindemitglieder sich – wie überall – in den vergangenen Jahren erheblich verringert hat. Wie auch schon zuvor, sind 2.300 Gemeindemitglieder das Maß für eine Planstelle. Die neuen Räume machen es leichter, Stellen zu besetzen. Zugleich ist es leichter, die Arbeit so zu organisieren, dass Kirche verlässlich in der Fläche präsent bleibt. Dies gerade auch mit Blick auf viele oft sehr kleine Kirchengemeinden, die den ländlichen Raum prägen.

Zukunft der Kirche findet in größeren Räumen statt

In seinem Bericht vor der Synode ging Superintendent Dr. Stephan Vasel im Vorfeld der Entscheidung sehr grundsätzlich auf Fragen der weiteren Entwicklung ein: Wie sieht die Zukunft der Kirche aus? „Absehbar ist: Wir werden das kirchliche Leben in größeren Räumen gestalten müssen. Die Zahl der Kirchenkreise wird kleiner werden und damit die Flächen größer, die wir zum Beispiel als Kirchenkreissynode, Kirchenamt oder Superintendent im Blick haben müssen. Es wird vermutlich nicht reichen, die Kirchenkreise Hameln-Pyrmont und Holzminden-Bodenwerder stärker aufeinander zu beziehen, die derzeit im Kirchenamt Hameln verbunden sind. Vermutlich braucht man auf Dauer eher drei oder vier Kirchenkreise für ein Kirchenamt. Und wenn wir in diesen großen Räumen nicht sehr viel Zeit mit Fahrten verbringen wollen, brauchen wir in der kirchlichen Verwaltung und Binnenorganisation einen deutlichen Digitalisierungsschub.“

Mit den Regionen Nord und Süd macht der Kirchenkreis Hameln-Pyrmont einen großen Schritt

Ein Anfang sind die neuen Räume, die nun durch die zwei Regionen im Kirchenkreis entstanden sind. Der Kirchenkreis hatte über Jahrzehnte Erfahrungen damit gesammelt, in sechs Regionen zu arbeiten. „In der Synode haben wir einen Wechsel von sechs auf zwei Regionen beschlossen. Der Kirchenkreis macht damit einen großen Schritt. Er geht nicht von sechs auf vier oder drei Regionen, sondern auf zwei. Hiermit ist die Idee verbunden, eine Weile eine stabile Struktur zu haben, die nicht zu schnell wieder angefasst werden muss“, sagt Freiherr Dietrich von Hake, Vorsitzender der Synode. Die Kirchenkreiskonferenz hat sich dafür ausgesprochen, in zwei Geschwindigkeiten vorzugehen. Zum einen eine schnelle Klärung, welche Grenzen die neuen Räume haben sollen. Dies ist nun erfolgt.

Zum anderen sollen nun in Ruhe und mit Zeit all‘ die Fragen beantwortet werden, wie in den neuen Räumen gearbeitet und das Glaubensleben gestaltet werden soll. Dies in der Gemeinschaft von Haupt- und Ehrenamt, die für die evangelische Kirche in besonderer Weise prägend ist. Als ersten Schritt hat sich die Kirchenkreiskonferenz am 21. April mit aktuellen regionalen Modellen für den Konfirmandenunterricht befasst. Für den 21. Mai ist eine Busreise in die neue Region Süd geplant. Am 5. Juni gibt es eine Busreise in die Region Nord. „Wir gehen davon aus, dass es viel zu entdecken gibt und die gemeinsame Erkundung des Raums, in dem wir demnächst stärker gemeinsam zuständig sind, inspirierend sein wird. Ab Juni werden wir uns dann mit der Frage befassen, was es bedeutet, in Teams zu arbeiten“, erklärt Stephan Vasel.

Bei rund 30 Prozent Mitgliederschwund in zehn Jahren wird sich die evangelische Landeskirche vermutlich in nicht allzu weiter Zukunft bei einer ganzen Reihe von Themen, die sich jetzt noch auf der Ebene der Ortsgemeinde abspielen, auf regional stärker vernetzte Ideen kommen, weil sonst an vielen Orten sowohl das Geld wie die Menschen knapp werden. Daher sind Ideen gefragt, wie kirchliches Leben sich unter den absehbar sich verändernden Rahmenbedingungen gut gestalten lässt.

In Bad Pyrmont wird Gemeinde bereits als Raum verstanden

Ein interessantes Beispiel gibt es in Bad Pyrmont. Dort wird gerade ausprobiert, was vielfach kirchlich diskutiert wird. Aufgehoben ist zum Beispiel die Idee, eine Gemeinde in Pfarr- oder Seelsorgebezirke einzuteilen, in der eine Pfarrperson für alles zuständig ist. Stattdessen wird die Gemeinde als ein Raum verstanden, in dem arbeitsteilig geregelt ist, wer wofür zuständig ist. Dies im Team, zu dem im hauptamtlichen Bereich unter anderem zwei Pastorinnen, eine Diakonin und eine Gemeindemanagerin tätig sind. Da steckt mehr drin, als vielleicht auf den ersten Blick ersichtlich ist.

„Wir sind es seit Jahrhunderten gewohnt, Pfarrpersonen in räumlicher Zuständigkeit zu sehen. Das ist in etwa so wie bei Förstern. Es gibt ein Revier, ein Gebiet, einen Raum, wo eine klare Zuständigkeit besteht. Dieses Modell hat große Vorteile. Man weiß, wer zuständig ist. Und wenn es mal Phasen gibt, wo nicht alle Stellen besetzt werden, dann ist die Pfarrperson für zwei oder drei Reviere zuständig. Man könnte aber auch Teams bilden und die Themen aufteilen. Und man kann beide Ansätze verbinden. 
In Bad Pyrmont kann man sich anschauen, was sich dadurch verändert. Und wir alle haben den Vorteil, dass wir Erfahrungen mit dieser veränderten Herangehensweise in der Nachbarschaft haben und davon einiges auf den Kirchenkreis Hameln-Pyrmont übertragen können“, weiß der Superintendent. Stephan Vasel/Harald Langguth