Ihr Name ist so eindeutig evangelisch wie kaum ein anderer, ihre Tradition ist bis heute gerade auf dem Lande ungebrochen: die Konfirmation. Tausende Teenager im Alter zwischen 12 und 14 Jahren machen sich Jahr für Jahr auf den Weg, ihren evangelischen Glauben gemeinsam genauer zu beleuchten, ihn zu erleben, und ihn letztlich vor Gott und der Gemeinde feierlich zu bestätigen. Martin Luther allerdings war zu seiner Zeit kein Fan der Konfirmation. Zu ähnlich sei sie dem katholischen Sakrament der Firmung, das er verabscheute. Zu sehr betone sie die persönliche Entscheidung und würde den Glauben, als reines Geschenk Gottes, und damit die Taufe an Bedeutung verlieren lassen. Bekanntlich ließ er sich noch umstimmen. Dabei halfen ihm eine besondere Verquickung historischer Ereignisse und die diplomatischen Fähigkeiten eines Kollegen.
Wir schreiben das Jahr 1539 im nordhessischen Städtchen Ziegenhain (heute Schwalm-Eder-Kreis). Luther und die Seinen sahen sich durch die Vorwürfe der sogenannten „Wiedertäufer“ bedroht. Seine Überzeugung der unverdienten Gnade Gottes böte den Menschen nicht genug Anreiz, ihr Leben zu bessern. Und überhaupt könne ja ein Kleinkind, wenn es getauft würde, noch nicht verstehen, an was es da glaube. Die „Täufer“ wurden zur ernsthaften Bedrohung für Luthers Kirche, ihre Anfragen waren nicht so leicht aus der Welt zu schaffen. Um aber Luthers Lehre der einmaligen Taufe zu wahren und zugleich die kritischen Anfragen der Wiedertäufer zu befriedigen, überlegte sich der Straßburger Theologe Martin Bucer eine schlaue Lösung: Alle getauften Jugendlichen sollten im evangelischen Glauben gründlich unterwiesen werden und danach als mündige Christenmenschen ihren Glauben bekräftigen. Der Hessische Landgraf Philipp I. ließ die Bestimmung in ein Dokument namens „Ziegenhainer Zuchtordnung“ gießen und schuf damit die bis heute gültige Grundlage unserer Konfirmation.
Wenn wir über die Konfirmation und ihre spannende Geschichte nachdenken, dann macht das für unseren eigenen Glauben vielleicht zweierlei sichtbar: Erstens - Gottes große Gnade steht vor allen Entscheidungen. Ob nun „das Geld“, oder „die Freunde“ eine Jugendliche zur Konfirmation motiviert haben, darf kein Bewertungskriterium des Glaubens sein. Fest steht: Dieser junge Mensch verfolgt die Spur weiter, die in der Taufe gelegt wurde. Überhaupt ist für viele der heutigen Jugendlichen der Weg zur Konfirmation der Weg zur Taufe selbst. Und wo dieser beschritten wird, öffnet sich ein Mensch für die Zusage: „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ (Mt 28,20). Und das ist uns aller Ehren wert!
Zweitens: Mit Gottes Zusage will umgegangen werden. Unser Glaube ist ein wertvolles Geschenk, das nicht achtlos im Schrank verschwinden soll, wenn die Party vorbei ist. Mit ihm zu leben heißt, mit ihm Umgang zu haben, ihn zur Herzensangelegenheit zu machen. Und, sich täglich dankbar seines Schenkers zu erinnern, der es uns zusagt: „Fürchte dich nicht, glaube nur.“ (Mk 5,36)
Ihr Pastor Jacques Fabiunke