Als erste Amtshandlung Feuerwehr-Musikzug einen Schnaps spendiert

Er ist Pastor der evangelisch-lutherischen St. Johannis-Kirchengemeinde Groß Berkel, Kirchenkreisjugendpastor im Kirchenkreis Hameln-Pyrmont und Mitglied im Kirchenkreisvorstand. Am 30. April begeht Pastor Simon Pabst sein 20-jähriges Ordinationsjubiläum.

Am 30. April 2006 hatte ihn Arend de Vries, damals Landessuperintendent für den Sprengel Calenberg-Hoya, in der Lüntorfer Kirche ordiniert. Als Seelsorger kann er nur dann gut für Andere da sein, wenn er für seine eigene Seele sorgt.

Pastor Simon Pabst in Aktion. Foto: Jens Hage

Können Sie sich noch an Ihren Dienstbeginn erinnern?

Ja, mein Dienstbeginn als Pastor war gleich am nächsten Tag. Als erste „Amtshandlung“ am 1. Mai habe ich dem Musikzug der Grohnder Feuerwehr und dem Männergesangverein, die damals traditionell ein Mai-Singen abgehalten haben und am Grohnder Pfarrhaus ihre erste Station hatten, einen Schnaps ausgegeben.

Was hat Sie in den 20 Jahren in Ihrer Kirchengemeinde geprägt?

Als Seelsorger für Andere da zu sein, geht nur, wenn ich auch für meine eigene Seele sorge. Darum lese ich morgens mit einem Becher Kaffee in der Hand immer ein Kapitel in der Bibel und ein paar Seiten in einem theologischen Buch und nehme mir Zeit fürs Gebet. Ohne die Unterstützung meiner Familie und von Freunden, die meinen Dienst mittragen, könnte ich nicht Pastor sein. Ebenso wertvoll ist der Austausch mit Kollegen.

Hat Sie schon mal jemand – natürlich irrtümlich – aufgrund der Namensgleichheit mit dem Papst verwechselt? Oder wurde so ein Brief an Sie adressiert?

Da ich mit dem Nachnamen „Pabst“ aufgewachsen bin, bin ich es gewöhnt, dass in Briefen oder E-Mails der Name falsch geschrieben wird. Wie oft das bislang in meinem Berufsleben vorgekommen ist, kann ich nicht sagen, weil es mehr ist, als sich zähle ließe. Passend zur Frage erhielt ich kürzlich eine dienstliche E-Mail an „Simon Papst“.

Auf welche Ereignisse in den 20 Jahren sind Sie stolz?

„Stolz“ ist vielleicht das falsche Wort. Es ist eher ein Gefühl von Dankbarkeit, das mich erfüllt, wenn ich erlebe, wie viele Menschen sich ehrenamtlich, haupt- und nebenberuflich mit Herzblut einbringen. Zuletzt hatten wir einige tolle und volle Veranstaltungen in unserer Kirchengemeinde wie den Bau von Fledermausnistkästen mit dem Kindergottesdienst, ein Kneipenquiz, ein Gemeindefrühstück, einen Aktionstag für die Kinderkonfis, bei denen Leute hinterher begeistert nach Hause gegangen sind. All‘ das war nur möglich, weil es Menschen gibt, die sich engagieren. Ich weiß, dass es eine Menge an Personen gibt, auf die ich mich verlassen kann, die da sind, wenn wer gebraucht wird. Einfach ein tolles großes Team in der Gemeinde! Ich habe den Eindruck, dass es uns als St. Johannis-Kirchengemeinde gelungen ist, während der schwierigen Corona-Zeit den Menschen nahe zu sein.

Gibt es ein Erlebnis, an das Sie noch heute gerne zurückdenken?

Es fällt mir schwer, ein besonderes Erlebnis herauszupicken. Es sind vielmehr die vielen kleinen Momente: Kinder im Kindergarten, die sich freuen, wenn ich für eine Andacht in die Gruppe komme. Menschen, die tief berührt einen Gottesdienst verlassen, weil die Botschaft sie angesprochen hat. Trauerfeiern, bei denen es gelungen ist, in einer guten Weise Abschied zu nehmen. Letztlich sind es die Aktionen, in denen ich spüren konnte, dass Gott da war und im Leben von Menschen wirkt.

Wie lauten Ihre Wünsche an die Zukunft?

Dass Menschen in dieser ungewissen Zeit mit ihren vielen Krisen erleben, wie der Glaube an Jesus Halt und Kraft geben kann. Dass Jung und Alt es wagen, Gott in ihr Leben miteinzubeziehen und im Glauben entweder erste Schritte gehen oder im Glauben wachsen.

Was sind Ihre Erwartungen und Hoffnungen zu den neuen Regionen?

Meine Hoffnung ist, dass es uns gelingt, innerhalb der neuen Strukturen die Arbeit so zu organisieren, dass wir für eine Weile von erneuten Strukturdiskussionen, die viel Zeit und Kraft kosten, verschont bleiben. Ich bin Pastor geworden, weil ich denke, dass die Botschaft der Bibel die beste Botschaft der Welt ist und es sich lohnt, diese unters Volk zu bringen. Wenn die neuen Regionen mit ihrer Struktur dafür eine gute Voraussetzung bieten, wäre es prima. Harald Langguth