Herzstück ist der rund 80 Quadratmeter große Gemeindesaal

Engagiert im Gespräch: Gerrit Niemeier (l.) und Eberhard Lange. Foto: Harald Langguth

„In Richtung Kirche öffnet sich der Baukörper großzügig über ein Lichtband, das aus der Fassade kommend in das Dach übergeht. So verbindet sich das Foyer über die offene Küche mit der Kirche und gibt den Blick auf diese frei“, hatte es Architekt Gerrit Niemeier im Entwurf formuliert - und auch genauso umgesetzt. Dazu reicht ein großzügiges Dachfenster in die Küche des Gebäudes hinein und ermöglicht einen besonderen Blick auf die gegenüberliegende St.-Georg-Kirche. Herzstück des Gebäudes ist der rund 80 Quadratmeter große Gemeindesaal, in drei Segmente unterteilbar. Jedes Segment hat einen eigenen Zugang zum lichtdurchfluteten Foyer und ist separat nutzbar. Für Veranstaltungen können Saal und Foyer über große Zugangstüren vereint werden. Saal und Foyer in dem Quaderbau sind bis unter die Dachschräge offen und schaffen so einen luftigen Charakter. Die Nettogrundfläche für das Gebäude beträgt 250 Nettoquadratmeter – entsprechend den seinerzeit rund 2.000 Gemeindemitgliedern. 1,27 Millionen Euro veranschlagte das Architekturbüro für den Neubau mit allen Außenanlagen – und rechnete schließlich mit insgesamt 1,2 Millionen Euro ab. „Wir haben 70.000 Euro einsparen können“, betont Niemeier. „Wir haben sehr gut zusammengearbeitet – das hat Spaß gemacht“, bestätigt auch Eberhard Lange. Die Kosten trugen die Landeskirche, der Kirchenkreis Hameln-Pyrmont, die Aktion Mensch sowie die Kirchengemeinde Afferde.

„Wir konnten die Aktion Mensch davon überzeugen, uns einen erheblichen Anteil der Kosten zuzuschießen. Voraussetzung dafür war eine komplette Barrierefreiheit im Gebäude. Da hat der liebe Gott seine Hand über uns gehalten“, freut sich Lange. „Was Außenhülle, Dämmung und Gebäudetechnik anbelangt, sind wir auf allerhöchstem Niveau“, weiß Architekt Niemeier. Eine Luftwasserwärmepumpe sorgt für die Fußbodenheizung bei geringen Vorlauftemperaturen. Das Warmwasser wird bedarfsgerecht dezentral elektrisch erzeugt. Eine außenliegende Verschattungsanlage sorgt bei heißen Sommertemperaturen für einen guten Wärmeschutz im Gebäude. Die ausgeklügelte Schallabsorption sorgt dafür, dass man sich bereits gut versteht, wenn man leise miteinander spricht.

„Ein Gemeindehaus ist weit mehr als nur ein Gebäude. Es ist ein Zuhause für die Menschen, die sich hier treffen – für die Kinder, die hier spielen. Für die Jugendlichen, die sich hier austauschen. Für die Gruppen und Kreise, die hier Gemeinschaft erleben. Es ist ein Ort des Glaubens, der Hoffnung und der Zukunft.“ So hatte es Afferdes Ortsbürgermeister Björn Lönneker Ende März bei der Einweihung des neuen Gemeindehauses formuliert.

Die Bauabnahme im August löste anschließend beim ehrenamtlichen Projektleiter Eberhard Lange vom Kirchenvorstand Afferde und Gerrit Niemeier einige Erinnerungen aus. Der Auftrag war erteilt; der Abriss des alten Gemeindehauses in Afferde sollte im Mai 2023 beginnen. Doch 36 Schwalbenpaare machten allen Beteiligten bis September zunächst einen Strich durch die Rechnung. „Sie durften laut Unterer Naturschutzbehörde nicht entfernt werden. Erst nachdem sie alle ausgezogen waren, konnten wir mit dem Abriss beginnen“, berichtet Architekt Niemeier. Als Kompensation entstand auf dem benachbarten Friedhof für 13.500 Euro ein schickes Schwalbenhotel, das in diesem Jahr nach und nach von den elegant fliegenden Tieren bezogen wurde. Damit die Schwalben ihr neues Domizil im Frühjahr auch finden, erklingen von einer Zwitscherbox aus einem Kasten Schwalbenrufe. Den Strom dafür liefert ein kleines Solarmodul. „Wir haben dann dafür und den freien Anflug für die Schwalben, bei denen Bäume beschnitten werden mussten, eine einvernehmliche Lösung mit dem Naturschutz und der Denkmalpflege auf dem Friedhof gefunden“, erinnert sich Eberhard Lange.

„Herr Lange hat mit unermüdlichem Einsatz, Fachwissen und einem enormen Maß an Herzblut dieses Projekt begleitet. Wer schon einmal mit Bauprojekten zu tun hatte, weiß: Es gibt immer unerwartete Herausforderungen, Verzögerungen und unzählige Details, die beachtet werden müssen. Doch mit Geduld, Beharrlichkeit und einem starken Willen hat Eberhard Lange all‘ diese Aufgaben gemeistert. Sie haben nicht nur ein Gebäude geschaffen, sondern einen Ort, der das Gemeindeleben über Jahrzehnte hinweg prägen wird“, lobte ihn der Ortsbürgermeister auf der Einweihungsfeier im Frühjahr. Harald Langguth