Thomas Müller - vom KFZ-Mechaniker zum Pastor

Auf nach Bremen: Für den Umzug von Thomas Müller spendierte ihm der Kirchenvorstand einen prall gefüllten Rucksack. Foto: Harald Langguth

In einem Grußwort würdigte Wilfried Binder, Fraktionsvorsitzender der SPD im Hamelner Stadtrat, den Mann Gottes: „Thomas Müller hat über 26 Jahre das geistliche Leben in unserer Stadt geprägt. Dafür danke ich ihm im Namen der Stadt und der Bürgerinnen und Bürger“, sagte Binder und überreichte dem scheidenden Pastor ein Geschenk.

Seinen Dienst in der Martin-Luther Kirchengemeinde angetreten hatte Thomas Müller am 1.9.1999. „Er hat in 26 Jahren viele Kinder getauft, Jugendliche konfirmiert, Paare getraut, Trauernde begleitet, Gottesdienste gestaltet und unzählige Gespräche geführt. Er war Seelsorger, Mutmacher, Zuhörer, Ideengeber, kurz: Ein Mensch, der unsere Gemeinde geprägt und bereichert hat“, charakterisierte ihn Jürgen Stoffregen, Vorsitzender des Kirchenvorstands.

Schwerpunkt von Thomas Müllers Wirken in der Gemeinde war die Arbeit mit Konfirmanden und Jugendlichen gewesen. „Die hat er immer abgeholt und erreicht. Viele dieser jungen Menschen erhielten durch ihn den Anstoß sich in der Kirche zu engagieren. In seiner seelsorgerischen Arbeit wurde er besonders wegen seines Einfühlungsvermögens und seiner Zugewandtheit geschätzt“, sagte der Kirchenvorstand-Vorsitzende in seiner Dankesrede.

Superintendent Dr. Stephan Vasel wies in seiner Rede auf den ungewöhnlichen Werdegang von Thomas Müller hin – vom KFZ-Mechaniker zum Pastor: „Durch Ihren Zivildienst, bei dem Sie in der Begegnungsstätte Oese viele Konfirmanden- und Jugendgruppen erlebten, reifte in Ihnen die Entscheidung, Theologie zu studieren – in Berlin und Hamburg.“ Nach Examen und Vikariat in Elbingerode am Harz ging es nach einem Jahr Berufsschulvikariat in Norden als Schulpastor nach Hameln an die heutige Elisabeth Selbert Schule. Nach fünf Jahren wechselte Thomas Müller dann in die Kirchengemeinde Martin Luther.

„Sie schätzen an der Gemeinde die vielen Ehrenamtlichen“, betonte Vasel. Vorsitz und stellvertretender Vorsitz im Kirchenvorstand werden in der Martin-Luther-Gemeinde ehrenamtlich wahrgenommen. Ein Arbeitskreis Gottesdienst übernimmt zentrale theologische Verantwortung – wie beim Gottesdienst zur Verabschiedung von Thomas Müller. „Es ist ein Bild von Kirche, das Ihnen sehr sympathisch ist. Ein Leib mit vielen Gliedern, wie Paulus das einmal beschrieben hat. Sie sagen, nicht für alles zuständig sein zu müssen. Die dauerhafte Stärkung des Ehrenamts ist Ihnen eine Herzensangelegenheit“, sagte der Superintendent weiter. Mit Pastorin Gabriele Mitschke gebe es eine Jahrzehnte lange Zusammenarbeit. „Sie kennen und vertrauen sich blind. Das 25-jährige Jubiläum ihrer Kollegenschaft liegt längst hinter Ihnen. Wer Sie beide kennt, weiß wie unterschiedlich Sie sind. Und offensichtlich haben Sie die Gabe und die Fähigkeit, sich gerade so zu ergänzen.“

Vasel las aus der Urkunde von Landesbischof Ralf Meister vor: „Du hast das Evangelium von Jesus Christus gepredigt und Gottes Treue und Liebe bezeugt.“ Per Handschlag entpflichtete der Superintendent Thomas Müller von seinen Aufgaben in der Martin-Luther-Gemeinde. „Die Berufung ist weiter da – nur die Pflicht nicht“, führte Stephan Vasel aus. Standing Ovations gab es dazu von der Gemeinde in der sehr gut besuchten Martin-Luther Kirche.

„Wir verabschieden uns mit einem weinenden Auge von einem besonderen Menschen in unserer Gemeinde“, schreiben der Kirchenvorstand und engagierte Mitglieder im jüngsten Gemeindebrief. Sie wünschen Thomas Müller für den wohlverdienten Ruhestand viel Zeit zum Fliegen, für Musik, alte und neue Hobbies – und das alles bei bester Gesundheit. Harald Langguth