Das kostenfreie Klassik-Konzert organisiert hatte Münsterkantor David Thomas. Sowohl er als auch Sopranistin Defne Celik und Trompeter Anton Borderieux wurden vom Publikum in der schönsten Währung entlohnt, die sich Künstler wünschen können: mit viel Beifall. Eingeladen zu diesem wunderbaren Konzert, das mit dem gemeinsamen Singen der dritten Strophe der Nationalhymne endete, hatten die Stadt Hameln und die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Hameln (ACKH). Deshalb gab es auch ein doppeltes Grußwort von Politik und Kirche.
Martina Harms, Erste Stadträtin Hamelns, erinnerte an den schwierigen Prozess des Zusammenwachsens von Ost- und Westdeutschland nach 45 Jahren des Getrenntseins: „Das Zusammenwachsen ist auch heute noch ein Prozess, der Zeit und Geduld erfordert“, stellte sie fest. Einheit entstehe durch Respekt und den Willen gemeinsam weiterzukommen. Dabei sei der Weg der Einheit auch nach 35 Jahren noch nicht abgeschlossen. „Musik kann dabei ein entscheidendes und verbindendes Element sein“, sagte Martina Harms.
„Der Fall der Mauer war ein Moment, wo viele sagten und sangen: Wunder geschehen – ich war dabei. Nur war es nicht so, dass sich der Himmel öffnete und die Hand Gottes den Eisernen Vorhang zerbrach. Die Mauer wurde von Osten her eingedrückt“, erinnerte Dr. Stephan Vasel, Vorsitzender der ACK Hameln, an die Geschehnisse von 1989. Er zitierte Horst Sindermann, den ehemaligen Vorsitzenden des DDR-Ministerrats: „Mit allem haben wir gerechnet, nur nicht mit Kerzen und Gebeten. Sie haben uns wehrlos gemacht.“
Für ihn sei der Mauerfall eine wesentliche Lehre aus dieser Erfahrung, dass Geschichte offen ist. „Und das heißt, sie kann sich auch zum Guten entwickeln. Dafür müssen wir allerdings mit offenen Augen durch die Welt gehen, um Handlungsmöglichkeiten zu erkennen.“ Dazu gehöre auch, dass Freiheit, Wohlstand, Demokratie und Menschenrechte keine Selbstläufer seien. „Es ist weder ein Schicksal, sie zu haben noch sie zu verlieren. Es ist vielmehr eine Aufgabe, sie nachhaltig zu bewahren“, betonte Vasel.
Dann stand Genuss pur an – für Augen und Ohren. Für die fantastische Lichtinstallation im Münster mit den ruhigen Farbwechseln zeichnete Steffen Meier verantwortlich. Stimme und Instrumente klangen bei vielen an diesem Abend noch lange nach - auch nachdem der letzte Ton längst verklungen war. Defne Selik aus Hannover ist eine Sopranistin, deren glockenklare Stimme bereits mehrfach ausgezeichnet wurde: Im Mai dieses Jahres gewann sie den „Best Singer under 25 Award“ sowie den dritten Preis bei der Cascais Opera Competition in Portugal. Seit dem Wintersemester 2022 studiert sie an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover in der Gesangklasse von Prof. Dr. Marek Rzepka.
Anton Borderieuxs fantastisches Trompetenspiel begeisterte das Publikum ebenfalls. Der gebürtige Lüneburger ist Bundespreisträger beim Wettbewerb Jugend musiziert und war 2009 Finalist beim International Yamaha Trumpet Contest. Klassische Trompete studierte er in Hannover und Hamburg. In Basel absolvierte er ein Jazz-Studium bei Prof. Mathieu Michel an der dortigen Jazz-Schule. Borderieux spielt in mehreren Emsembles mit und war 2018/19 Mitglied der Orchesterakademie des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg.
David Thomas brillantes Orgelspiel kam bei den Zuhörenden besonders gut an, stammt er doch selbst aus Hameln. Der Organist war mehrfacher Preisträger bei Jugend musiziert und ist Preisträger des Grotrian-Steinweg Klavierspielwettbewerbs 2020. Seit dem Jahr ist er auch Kirchenmusiker am Münster St. Bonifatius, wo er in Gottesdiensten, Konzerten und bei der musikalischen Gestaltung tätig ist. Regelmäßig gibt er deutschlandweit Konzerte an verschiedenen Orgeln. Das Trio mit seinen unterschiedlichen Begabungen ergänzte sich perfekt beim Klassikkonzert im Münster. Harald Langguth