Wir gehen zum Bahnhof. Wir beide stehen am Bahnsteig. Merkwürdig - wir haben gar kein Gepäch dabei. Ich weiß nicht, ob ich fahre oder Du. Ich bin älter. Werde ich jetzt losfahren? Bleibst Du zurück?
Es geht nicht immer nach dem Alter. Wir nehmen Abschied, sagen Dank und umarmen uns, wünschen uns von Herzen Gottes Segen: „Es soll Dir gut gehen am neuen Ort.“ Und gleich ist es soweit. Ich merke, ich würde gern mit Dir noch zusammenbleiben. Gleich bin ich allein. Der Abschied macht mich traurig. Ich sehe das Neue noch nicht.
Das Erste ist vergangen, was kommt neu? Ist Christus auferstanden, stärker als der Tod? Lebt Er?
Wer weiß, was kommt? Vielleicht helfen unsere Erfahrungen mit Abschieden bei der Antwort. Das ist klar: Unser Leben fliegt dahin, wie man sagt. Und zu dieser Erfahrung gehört, dass wir biologisch, chemisch und geistig alle sieben Jahre neu werden, alle Zellen abgestorben sind und erneuert wurden - und in gewisser Weise sind wir andere als vor sieben Jahren. Solche Siebener-Schritten sehen manche auch im Lebenslauf. Der Schulanfang, der Abschied von der Kinderzeit, und der Abschied von der Jugend mit der Konfirmation sind zwei erste Schritte. Mir fällt auf: Es steckt auch viel Vorfreude in diesen Abschieden. Und so gehen die Schritte weiter: Die Schule und Ausbildung, der Beruf, die Gründung einer Familie, der Abschied von Großeltern und Eltern. Und der Blick geht dann vorsichtig auf die letzten zwei oder dreimal Sieben.
Das wünsche ich allen im Abschiedsmonat November, dass wir uns die Vorfreude und Neugier auf das Neue bewahren wie Kinder auf den ersten Schultag, wie Eltern auf die Geburt eines Kindes. Es kommt etwas Gutes, Gott hat es versprochen. Abschiede und Neuanfänge des Lebens, Gott schenkt sie uns. Wir bringen es eben nicht selbst zu Ende. „Gott wird es lenken, Gott wird es schenken – er hat die Gnad.“ Er verwandelt uns.
So besehen ist die Kunst des Abschieds ganz einfach. Göttlich einfach: Ausruhen am siebten Tag – und sagen: „Gut war’s“. (Michael Schibilsky) Und gut soll es werden im ewigen Leben.
Er lebt. Das Erste ist vergangen, das Neue kommt. Christus ist auferstanden, stärker als der Tod.
Gehen wir noch einmal zum Bahnhof: Ich stehe allein am Bahnsteig. Auch dieses Mal habe ich kein Gepäck dabei. Sieht so mein Abschied aus? Heute noch nicht! Ich bin nicht hier, um loszufahren. Heute kommt lieber Besuch. Ich bleibe nicht allein. Es soll uns gut gehen, hier an diesem Ort. Denn Du bist bei mir. Du kommst zu mir, ich kann es noch gar nicht fassen. Christoph Herbold, Pastor im Kirchenkreis Hameln-Pyrmont und in der Stadtkirchengemeinde Hameln