Hausinschrift in Hastenbeck | Bild: Heike Beckmann

Mitja Koch - Herr der Bühnen in Hannovers City

Mitja Koch, technischer Leiter der Bühnen in der City Hannover beim Evangelischen Kirchentag, bei einer seiner wichtigsten Tätigkeiten - telefonieren. Foto: Harald Langguth

Heiter, offen, friedlich und gelöst: Das war er auch, der Kirchentag in Hannover. Zu den vielen, die hinter den Kulissen dafür sorgten, dass genau dieses möglich wurde, gehört auch er: Mitja Koch (25), aus Heyen. Koch, im Hauptberuf technischer Leiter am Theater Hameln, arbeitet nebenberuflich als selbstständiger Meister für Veranstaltungstechnik für Festivals und Kirchentage. Elf Outdoorbühnen und neun Indoor-Bühnen in Hannovers Innenstadt standen unter seiner Regie. Plus alle Konstruktionen im Citybereich vom Informationsturm bis zur Gepäckhalle. Er koordinierte alle externen Dienstleister. Koch war damit der Chef aller Veranstaltungsstätten im Innenstadtbereich.

Kann ein Mensch das allein schaffen? „Mein verlängerter Arm und meine Augen vor Ort waren vier Bauleiter im Innenstadtbereich“, berichtet Mitja Koch. Sie konnten ihn jederzeit erreichen und bei kritischen Situationen kontaktieren. Insgesamt waren drei weitere Meister für Veranstaltungstechnik auf dem Kirchentag verantwortlich: Einer für die Großbühne am Opernplatz, einer für die Großbühne am Platz der Weltausstellung und einer für alle Bühnen auf dem Messegelände.  

Rund 4.500 Helferinnen und Helfer kamen auf dem Kirchentag zum Einsatz – darunter 600 Pfadfinder und Pfadfinderinnen. Koch selbst ist seit 2005 aktiver Pfadfinder in der Ortsgruppe Aerzen beim Stamm Eversteiner Löwen. Bei Kirchentagen engagiert er sich seit 2015 in Stuttgart. Seit 2017 in Berlin und Lutherstadt Wittenberg zählt er zum harten Kern – also zu denjenigen, die sich mehr als zehn Tage für einen Kirchentag Zeit nehmen, und das vom Auf- bis zum Abbau. Seit Nürnberg 2023 ist Mitja Koch als Meister für Veranstaltungstechnik auf den Kirchentagen im Einsatz.

Wie steht es um den Pavillon des Kirchenkreises Hamel-Pyrmont am Abend der Begegnung - hat Mitja Koch den auch auf seine Standfestigkeit überprüft? „Ich kann gar nicht mehr jeden kleinen Pavillon ablaufen und kontrollieren. Aber natürlich hat einer meiner Bauleiter vorbeigeschaut und das Zelt gecheckt.“ Ein Pavillon zählt zu den fliegenden und temporären Bauten und unterliegt keiner bau- und prüfpflichtigen Abnahme. Es gibt verfahrensfreie und verfahrenspflichtige Bauten, klärt der Meister für Veranstaltungstechnik weiter auf. Bei Zelten beginnt die verfahrenspflichtige Abnahme über 75 Quadratmeter, bei Bauten ab fünf Meter Höhe. Für beide Formen ist Mitja Koch das Kontrollorgan.

Beim verfahrenspflichtigen Teil unterstützte ihn die Bauaufsicht der Stadt Hannover. „Ich prüfe hinsichtlich Ballastrierung und korrekter Bauausführung“, erzählt Koch weiter. Sichtprüfungen eingesetzter Gasbetriebsmittel gehören ebenfalls dazu. Oder die Frage, ob ein Stativ X eine Fahne von der Größe Y tragen kann. Viel zu tun gab es für Koch am Kirchentagsfreitag durch die Unwetterwarnung. „Windstärke 9 war angekündigt – die wurde am Opernplatz auch erreicht.“ Ab Windstärke 8 müssen beispielsweise bei bestimmten Bauten Rückwandplanen entfernt und Lautsprecherkonstruktionen aus den Bühnenkonstruktionen heruntergefahren werden, um die Windlast zu verringern. „400 bis 500 Kilogramm wiegt so ein Lautsprechersystem. Ein motorbetriebener Kettenzug fährt ihn schnell herunter“, weiß der Meister. Worauf er stolz ist? „In meinem Berufsleben gab es noch keine Unfälle.“

Was ihm am Kirchentag gefallen hat? „Ich denke gerne an die unheimlich schöne Stimmung zurück. Das war eine Großveranstaltung mit sehr vielen freundlichen Menschen. Man trägt das noch lange im Herzen.“ „Zum Kirchentag“, sagt Koch und überlegt kurz, „zum Kirchentag gehört auch, wenn Du jemanden aus Versehen anrempelst – und der entschuldigt sich daraufhin bei Dir.“ Harald Langguth