Durch die Witterung ist die gesamte Spitze von Hamelns Wahrzeichen in Mitleidenschaft gezogen worden. Bei der Wetterfahne werden die Lager erneuert und zusammen mit der Kupferkugel restauriert.
Dass der Westturm des Hamelner Münster saniert werden muss, war bekannt. Auch dass die Mauerwerksverfugung des Turms bröckelt und teilweise zu erneuern ist. Doch was kürzlich bei einer Begehung mit der Sachverständigen Anja Rinne für historisches denkmalgeschütztes Mauerwerk zutage trat, verändert diesen Rahmen erheblich. Rinne berät das Amt für Bau- und Kunstpflege der Landeskirche Hannover bereits seit vielen Jahren.
Die Sachverständige unterscheidet mehrere Phasen des Turms in seiner baugeschichtlichen Entwicklung. In der ersten Phase wurde dieser als Westvorhalle errichtet. Diese endet oberhalb des gotischen Fensters. Danach wurde aufgestockt: 1489 sollte zusätzlich zu dem Vierungsturm ein Westturm das Münster krönen. Für die Eckquadern verwendete die damaligen Baumeister qualitativ hochwertigen Quarzsandstein, der im Süntel gebrochen wurde. Die Bereiche dazwischen wurden mit Bruchsteinen aufgefüllt – sogenanntem Silt- oder Schluffstein. Dieser entsteht durch Ablagerungen sehr feinkörnigen Materials mit vielen sehr dünnen Schichten, erkennbar an seinem blätterteigartigen Aussehen. „Dieser Schluffstein muss unbedingt durch einen Putz geschützt werden“, betont die Sachverständige.
50 Jahre wurde der Putz nicht gepflegt
Das Problem: Der Putz wurde zuletzt 1975 erneuert. Dadurch verwitterte der Stein am Münsterturm. Der Putz bröckelte im Laufe der Zeit ab und legte den minderwertigen Schluffstein frei, der nun an vielen Stellen wegbricht. „Wir haben den Putz entfernt und die Verfugungen ausgeräumt. 250 bis 300 Quadratmeter Mauerwerk müssen bis zu einer Tiefe zwischen 20 und 60 Zentimetern mit Sandstein ausgetauscht werden“, weiß Christian Skibbe. Zur Veranschaulichung: Die Mauerwerkstärke beträgt zwischen 1 und 1,50 Meter.
„Was kaputt ist, nehmen wir raus und tauschen es aus“, berichtet Markus Bartge, Vorarbeiter bei der beauftragten Baufirma Jödicke aus Hameln und zeigt auf die Löcher im Mauerwerk. Minderwertiges Material wird aus dem Mauerwerk ausgekratzt und danach sandgestrahlt. Erst dann ist die Fläche komplett sauber. Anschließend werden die offenen Fugen von Maschinen mit Kalk im Trockenspritzverfahren neu verfüllt. „Wir reinigen erst einmal vor. Dann wird gespritzt, bündig gekratzt und anschließend nochmal sandgestrahlt“, schildert Bartge die genaue Vorgehensweise.
„1200 Jahre ist das Münster alt. Ich bin froh, dass wir heute identitätsstiftende Gebäude wie diese Kirche auch für weitere Jahrhunderte erhalten können – und das mit Materialien, wie sie bereits früher verwendet wurden – Sandstein und Kalk. Dies ist manchmal teurer als gedacht. Es hat aber einen hohen Wert für das kulturelle Gedächtnis unserer Stadt“, sagt Hameln-Pyrmonts Superintendent Dr. Stephan Vasel.
Sanierungsarbeiten dauern bis Mitte 2026
Die Sanierungsarbeiten werden sich bis in den Sommer 2026 hinziehen. Diese Auskunft gibt Architekt Skibbe. Er rechnet mit Gesamtkosten von 1,5 Millionen Euro für die Turmsanierung. Bisher waren dafür 875.000 Euro veranschlagt. Mehr als die Hälfte davon zahlt die Landeskirche Hannover. Sie muss voraussichtlich für die Mehrkosten aufkommen. Zur Baumaßnahme fließt auch ein Zuschuss von 387.500 Euro aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM). Der Eigenanteil des Kirchenkreises Hameln-Pyrmont beträgt 50.000 Euro. Harald Langguth