Fledermäuse haben ein Domizil auf Schloss Hämelschenburg

Auch auf dem Dachboden von Schloss Hämelschenburg tummeln sich Fledermäuse. Foto: Doris Hellmold-Ziesenis

Über die „Kobolde der Nacht“ – 17 Arten wurden bisher im Landkreis Hameln-Pyrmont nachgewiesen – hält er im April einen abwechslungsreichen Vortrag im Hamelner Breckehof vor ehemaligen Pastorinnen und Pastoren im Kirchenkreis. Zusammen mit seiner Frau Christel moderiert Udo Wolten den Nachmittag mit dem Fledermausexperten. Elfmal im Jahr treffen sich die ehemaligen Pastoren unter seiner Leitung – immer zu einem anderen Thema.

Heute kommen sie aus dem Staunen nicht heraus: Einfach zu spannend, was Rainer Marcek erzählt. Dass Fledermäuse schon seit über 40 Millionen Jahre auf der Erde leben, nur ein Junges zur Welt bringen, Winterschlaf in frostsicheren Höhlen, Stollen oder auf Kirchenböden halten und bis zu 20 Jahre alt werden können. „In Aerzen, Hagenohsen und Bad Pyrmont gibt es rund 15 Kirchenböden, auf denen Fledermäuse zu Hause sind“, berichtet der Fledermaus-Experte.

Regelrechte Domizile der nachtaktiven Tiere bestehen auf dem Boden von Schloss Hämelschenburg und in einem Gutsgebäude in Hessisch-Oldendorf, in dem 500 Tiere nachgewiesen wurden. „Hier bringen alle Weibchen in den sogenannten Wochenstuben gleichzeitig einmal im Jahr ihre Jungen zur Welt“, erklärt der Experte. Mehrere Arten – die Zwergfledermaus, die Breitflügel- und die Landohrfledermaus – wurden auf dem Kirchboden und im Vierungsturm des Hamelner Münster gesichtet. „Im Westturm, der zurzeit renoviert wird, gab es zum Glück nur einen geringen Bestand“, berichtet Marcek. Über Horchboxen – sie nehmen die Ultraschalllaute der Fledermäuse auf – ermittelte er die wenigen Tiere. Fachleute zogen daraufhin im Herbst 2024 eine Holzwand gegen die Fledermäuse ein – die Renovierung konnte rechtzeitig beginnen. Bei einem späteren Baubeginn wären möglicherweise die Bundesmittel zur Renovierung des Westturms verfallen.

„Bei uns sind Fledermäuse nur Insektenfresser und haben beim Abfangen von Schädlingen einen enormen Nutzen. Weltweit gibt es über 1000 Arten. Die Fischfledermaus fängt Fische, die Vampirfledermaus ernährt sich von Blut, andere Arten von Obst. In den Tropen bestäuben Fledermäuse sogar die Bananenstauden. Nur an den Polkappen gibt es keine Fledermäuse“, erläuterte der Experte. Zu den Feinden zählen Eulen – besonders Schleiereulen – und Marder.

Grund für den langen Winterschlaf der Fledermäuse von Oktober bis März ist der Nahrungsmangel an Insekten. Ihr Stoffwechsel geht dann fast auf null, die Körpertemperatur passt sich der Umgebung bis 8 Grad an, der Herzschlag reduziert sich auf einen pro Minute. „Sie verbrauchen ihre Fettreserven nur sehr langsam. Frostfrei und ruhig muss ihre Umgebung sein“, betont Marcek. Fledermäusen auf die Spur kommt man mit einem Ultraschalldetektor bei 45 Kilohertz. Dabei wurde entdeckt, dass sie bis zu 120 Rufe pro Sekunde zur Orientierung aussenden. Über die Echos können sie Hindernisse erkennen, sich in der Dunkelheit zurechtfinden und Beute orten.

Trotz ihrer Echoortung sind Fledermäuse nicht blind: Ihre Augen können Hell-Dunkel-Kontraste wahrnehmen und einige Arten können sogar UV-Licht sehen. Ein Problem für die fliegenden Säugetiere stellen Windräder dar. Der Schlag der Rotorblätter erzeugt einen Unterdruck, der ihre Lungen zum Platzen bringt. „Jedes Jahre fallen in Deutschland 300.000 Fledermäuse tot vom Himmel. Abhilfe schaffen hier nur Abschalt-Logarithmen“, berichtet der Experte.

Um die Fledermäuse vor dem Aussterben zu bewahren, wurden in den Wäldern im Landkreis Hameln-Pyrmont rund 300 Nistkästen an Bäumen angebracht. „Sie befinden sich in Hameln im Klüttunnel und in hohlen Bäumen im Stadtwald am Friedhof Wehl“, weiß der Experte. Erstaunlich: Fledermäuse verändern sich bis zu ihrem Lebensende mit rund 20 Jahren kaum. Weibchen können selbst noch im hohen Alter Nachwuchs bekommen. Die Langohrfledermaus hat ein so feines Gehör, dass sie die Laufgeräusche von Spinnen und Käfern wahrnimmt. „Sie haben uns eine Welt erschlossen, die weit entfernt liegt“, lobte Udo Wolten den Vortragenden und überreichte ihm zum Dank eine edle Flasche. Harald Langguth