Transparent v. Gela Landwehr-Hobbing | Foto G.-W. Geckler

Ostern ist das Fest des Lebens

Kreuz mit Lichtern. Foto: Peter Bernecker

Nun wussten auch Paulus und Johannes, dass Menschen und Pflanzen sich erheblich unterscheiden, aber das waren die Bilder, die ihnen zu ihrer Zeit einfielen für eine Erfahrung, die jenseits dessen liegt, was wir sehen, anfassen, überprüfen und messen können. Und mit diesen Bildern sagen sie uns: Gottes Treue endet nicht an unserem Grab. Er findet Wege darüber hinaus.

Es gibt auch neue Geschichten und Bilder, die dies zu beschreiben suchen. Eine Erzählung, von der niemand so recht weiß, wer sie im Ursprung geschrieben hat, geht so:

Zwillinge unterhalten sich vor der Geburt im Mutterleib. „Weißt du was“, sagt die Schwester zu ihrem Bruder, „ich glaube, es gibt ein Leben nach der Geburt!“ „Was für eine merkwürdige Idee!“, erwidert er, „warum denn? Hier ist es doch schön dunkel und warm, und wir haben genug zu essen.“ Das Mädchen gibt nicht nach: „Es muss doch noch mehr als diesen Ort geben, etwas, wo Licht ist. Und vielleicht werden wir uns frei bewegen und mit dem Mund essen.“ Aber sie kann ihren Zwillingsbruder nicht überzeugen. „Mit dem Mund essen, so eine komische Idee. Und es ist noch einer zurückgekommen von `nach der Geburt´. Das hier ist alles, was es gibt! Und mit der Geburt ist das Leben zu Ende. Warum willst Du immer noch mehr?“ Nach längerem Schweigen sagt die Schwester zögernd: „Aber weißt du, was ich noch glaube? Ich glaube, dass wir eine Mutter haben!“ „Eine Mutter!“ entgegnete er spöttisch, „ich habe noch nie eine Mutter gesehen, also gibt es sie auch nicht.“ „Aber manchmal, wenn wir ganz still sind, kannst du sie singen hören . . .“

Töne aus einer anderen Welt, die doch nur die Außenseite der Welt ist, die wir kennen und anfassen können. Getragen von dem Glauben, dass Gott Gutes mit uns vorhat, selbst über den Tod hinaus. So betrachtet ist Ostern eine Einladung, auf die manchmal leisen Töne Gottes zu hören und sich an der Perspektive zu erfreuen, die sich aus diesem Hören ergibt. Denn es könnte sein, dass da mehr ist, als wir sehen, anfassen, überprüfen und messen können. Dr. Stephan Vasel, Superintendent im Kirchenkreis Hameln-Pyrmont