Reformationsfeiertag

GNADE? GESCHENKT!

Letztes Jahr haben wir ganz groß die 500 Jahre Reformation gefeiert. 31. Oktober, Reformationstag. Die berühmten 95 Thesen. Luther griff den Ablasshandel an, und damit viele Missstände in der Kirche seiner Zeit.

Auch am 26. April 2018 war schon wieder ein 500. Jahrestag. Da können wir nicht schon wieder so groß feiern, das ist klar. Aber auch dieses Datum ist ein Meilenstein in der Geschichte der Reformation.

Es ist der Tag eines großen Streitgesprächs in Heidelberg; genannt die Heidelberger Disputation. Eigentlich sollte Luther in diesem Streitgespräch auf den richtigen Kurs zurückgebracht werden. Aber daraus wurde nichts. Auf den ersten Blick war es sozusagen ein Unentschieden der besseren Sorte. So würde man das vielleicht bei einem Fußballspiel sagen.

Aber auf längere Sicht stellte sich das Streitgespräch als ein großer und bedeutender Erfolg für die Reformatoren heraus.

Und das kam so. Luther war ja Mönch, und als Mönch Mitglied eines Ordens. Sein Orden nannte sich die Augustiner Eremiten. Die Leiter des Ordens hatten aus Rom die Weisung erhalten: veranstaltet mal so ein Streitgespräch und dann wird der kleine Mönch aus Wittenberg schon sehen, dass er alle gegen sich hat. Und dann haben wir diese lästige Sache vom Tisch.

Aber Luther hatte Lunte gerochen. Und er änderte einfach das Thema ein wenig ab. Es ging jetzt nicht mehr nur um den Ablasshandel. Luther hatte neue Thesen verfasst, und die drehten sich um die Gnade und den Glauben. Ganz grundlegend.

Luther sagte: der Mensch kann durch eigene Kraft vor Gott gar nichts erreichen. Und wenn er noch so schöne Dinge und noch so gute Werke tut. Es bleibt doch alles Stückwerk. Und der Mensch tut es letztlich nur, um besser dazustehen. Er ist und bleibt eben selbstverliebt.

Nur wenn Gott dem Menschen seine Gnade schenkt, dann kann es gut gehen. Nur im Licht von Gottes Gnade kann der Mensch wirklich leuchten. Und darum haben wir Prediger nur eine Aufgabe: den Menschen von Gottes Gnade und Liebe zu erzählen.

Alles andere ist Brimborium und hilft den Menschen nicht weiter. Es füllt höchstens, wie beim Ablasshandel, die Kassen der Kirche.

Es folgte eine heiße Diskussion. So heiß, dass man zum Thema Ablass gar nicht mehr kam. Und nicht alle waren Luthers Meinung. Die älteren Theologen blieben lieber bei der ihnen vertrauten Kirchenlehre. Aber die jüngeren, die fanden Gefallen an dem neuen Denken. Sie waren begeistert von dieser Theologie der Gnade. Und sie wurden zu Vorreitern der Reformation in Deutschlands Süden.

Am 26. April vor 500 Jahren stellte Martin Luther zum ersten Mal sein Denken im Zusammenhang dar. Öffentlich im Streitgespräch. Die jungen Theologen konnte er gewinnen. Das Feuer der Reformation war entzündet und ergriff Deutschland. Und später ganz Europa.

Und wir feiern am und um den 31. Oktober 2018 den Reformationsfeiertag unter dem Motto "GNADE? GESCHENKT!" ganz im Sinne der Heidelberger Disputation ...

Es grüßt Sie herzlich

Philipp Meyer
Superintendent

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