Frieden - ja Frieden

Nachricht Hameln, 29. Februar 2024

Gemeinsam für den Frieden gebetet

Zur Gedenkveranstaltung Frieden! zum zweiten Jahrestag des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine hatten die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) und der evangelisch-lutherische Kirchenkreis Hameln-Pyrmont eingeladen. Man traf sich am 24. Februar im Münster St. Bonifatius in Hameln.

Zu den Rednern zählten Oberbürgermeister Claudio Griese und Dr. Stephan Vasel, Vorsitzender der ACK und Superintendent. Die Moderation der Veranstaltung oblag Pastor Udo Wolten. Mit Anna und Gabriel Kohai sowie Daryna Serhieieva wirkten auch Flüchtlinge aus der Ukraine an der Gedenkveranstaltung mit. Die Orgel spielte David Thomas. Mit kurzen Reden, Psalmen und Gebeten wurde des traurigen Tages gedacht.

„Wir haben einen Umgang mit dem, was uns überfordert, was dunkel ist, beängstigend: Das Gebet“, sagte Superintendent Stephan Vasel. „Frieden ist ein Auftrag, eine Sehnsucht, eine Aufgabe – und manchmal auch etwas, das über unsere Kräfte geht und nicht oder nicht sofort gelingt.“

1.111 Ukrainerinnen und Ukrainer finden in Hameln Schutz

Oberbürgermeister Claudio Griese sagte in seiner Rede: „Hier in Hameln leben heute 1.111 Ukrainerinnen und Ukrainer, Familien, Frauen mit Kindern und Einzelpersonen. Sie alle haben hier Schutz und Unterstützung gefunden. Mancher wurde von hilfsbereiten Landsleuten aufgenommen, die schon länger in Hameln lebten. Andere erhielten Hilfe von den Verwaltungen, von Vereinen, Verbänden und Ehrenamtlichen. Für uns war und ist das selbstverständlich. Umso mehr haben wir uns über Gesten von Ukrainerinnen und Ukrainern gefreut, die sich mehrfach öffentlich für diese Unterstützung bedankt haben. Sie haben sich nach der Flucht schnell zu Gruppen zusammengeschlossen, um sich gegenseitig zu unterstützen, und den Hamelnerinnen und Hamelnern deutlich zu machen, wer sie sind und was sie bewegt. Lassen Sie uns gemeinsam für den Frieden beten. Nichts ist wichtiger in einer Welt, in der Konflikte immer mehr zunehmen. Wir stehen zusammen.“

Bis heute fliegen Raketen in der Mitte Europas

Daryna Serhieieva aus der Ukraine berichtete: „Es ist schwer vorstellbar, dass bis heute Raketen in der Mitte Europas fliegen, Panzer schießen, Bomben fallen, Städte und Dörfer zerstören und das Leben von Erwachsenen und Kindern untergeht. Fast jeder Mensch hat Bekannte, die von Russland getötet wurden. Viele Menschen haben kein Zuhause mehr oder ihre Wohnungen sind beschädigt. Trotz alledem sind wir zuversichtlich, dass die Familien bald wieder zusammengeführt werden, die Menschen Sirenen und Explosionen für immer vergessen werden und endlich Frieden in der Ukraine einkehren wird.“

Gabriel, Anna, Lubor und Daryna (v.l.). Foto_privat

Wortbeitrag der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Hameln (ACKH):

Wir sehen immer nur zwei Wege

sich ducken oder zurückschlagen

sich kleinkriegen lassen oder ganz groß herauskommen

getreten werden oder treten

Jesus, Du bist einen anderen Weg gegangen

Du hast gekämpft aber nicht mit Waffen

Du hast gelitten, aber nicht das Unrecht bestätigt

Du warst gegen Gewalt, aber nicht mit Gewalt

Wir sehen immer nur zwei Möglichkeiten

selber ohne Luft sein oder andern die Kehle zuhalten

Angst haben oder Angst machen

geschlagen werden oder schlagen

Du hast eine andere Möglichkeit versucht

und deine Freunde haben sie weiterentwickelt

Sie haben sich einsperren lassen, Sie haben gehungert

Sie haben Spielräume des Handelns vergrößert

Wir gehen immer die vorgeschriebene Bahn

Wir übernehmen die Methoden dieser Welt

verachtet werden und dann verachten

die andern und schließlich uns selber

Lasst uns die neuen Wege suchen

Wir brauchen mehr Phantasie als ein Rüstungsspezialist

und mehr Gerissenheit als ein Waffenhändler

und lasst uns die Überraschung benutzen

und die Scham die in den Menschen versteckt ist  

Dorothee Sölle