Wir feiern heut ein Fest

Pressemitteilung Hameln, 23. März 2018

21. Saison des Hamelner Obdachlosenfrühstücks geht mit besonderem Gottesdienst zu Ende

(Hameln) Fünf Monate lang morgendlich ein gemeinsames Frühstück, wärmender Kaffee und frische Brötchen sind so selbstverständlich wie ungewohnt. Für 175 helfende Menschen ist es seit vielen Jahren zur Selbstverständlichkeit geworden, Notleidenden in der kalten Jahreszeit auf diese Weise etwas Wärme und Geborgenheit weitergeben zu können und insgesamt 2079 bedürftige Gäste nehmen dieses ungewöhnliche Angebot in diesen fünf Monaten dankend an.
Von „O“ bis „O“: Das Hamelner Obdachlosenfrühstück startet jeweils Mitte Oktober und endet mit einem ökumenischen Abschlussgottesdienst kurz vor Ostern – von den helfenden und den obdachlosen Menschen gemeinsam gefeiert am vergangenen Freitag in der Hamelner Marktkirche.

Es ist immer noch kalt draußen. Vor der Kirche steht frühmorgens ein obdachloser Mann, er scheint die Kälte nicht zu spüren, ein kurzer Gruß und ich betrete die Kirche. Schlagartig, trotz ausgefallener Heizung, tauche ich ein in eine heimelige Atmosphäre, die mich glatt umhaut. Menschliche Wärme durchzieht das ganze Kirchenschiff. Mein Blick wandert von der riesig langen, liebevoll gedeckten, Frühstückstafel mit flackernden Kerzen auf die vielen Menschen, die sich mitten in der Woche so früh am Morgen versammelt haben, um gemeinsam zu feiern und zu speisen.

In den vergangenen 23 Wochen wurden werktags zwischen 8.00 und 9.00 Uhr insgesamt 4940 Brötchen und Kaffee satt im Senior-Schläger-Haus für notleidende Menschen zubereitet. Das Hamelner Obdachlosenfrühstück jährt sich heuer zum 21. Mal. Und nicht nur das ist Grund genug für den Organisator vom „Runden Tisch Obdachlosigkeit“, Johannes Fuchs, gebührend Danke zu sagen. Für Fuchs ist es ein Herzensanliegen, den christlichen Kirchengemeinden, dem Civitan-Club, weiteren Clubs und Vereinen, immerhin 16 an der Zahl, und vielen Privatpersonen für die umfangreiche Hilfe und Unterstützung innig zu danken. Einen außerordentlichen Dank richtet Johannes Fuchs an Pastor i.R. Martin Hoffmann. 1996 hatte der damalige Seelsorger der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Hameln-Bad Pyrmont an einem kalten Januarabend durch eine bewegende Begegnung mit einem Obdachlosen in seinem Pfarrgarten die Idee zu diesem bewundernswerten Projekt. Selbst hat er es einst als den „Anfang einer wunderbaren Geschichte“ bezeichnet. Und das ist es bis heute geblieben. Superintendent Philipp Meyer vom Ev.-luth. Kirchenkreis Hameln-Pyrmont, betont in seiner Predigt am Freitag, es gebe sicher in einigen Orten Deutschlands Obdachlosenfrühstücke, die jahrelange Beständigkeit und tatkräftige Unterstützung in Hameln aber sei sicher weithin ohne Beispiel zu nennen. Für Meyer ist klar, das Obdachlosenfrühstück sei ein Symbol gelebten christlichen Glaubens ohnegleichen, der gedeckte Tisch komme dem Bild des Reiches Gottes gleich. Und mit der gelebten Nächstenliebe, als Kernaufgabe der Caritas und der Diakonie, würden schließlich Gottes Werke durch Glauben in Wort und Tat umgesetzt.

„Helft dem Bedürftigen zum Recht.“ – Diese Zeile aus dem Psalm 82 wird durch das Projekt Obdachlosenfrühstück zu einem Leitgedanken. Für die zahlreichen Ehrenamtlichen, wie auch für die Notleidenden und natürlich die Spender. Denn die gesamte Arbeit des „Runden Tisches Obdachlosigkeit“ ist auf Spenden angewiesen. Und so lässt es sich Organisator Johannes Fuchs zum Ende des Gottesdienstes nicht nehmen, einen ganz besonderen Dank an Bäckermeister Rudolf Pernath auszusprechen, der seit vielen Jahren 1/3 der gesamten Brötchen für das Obdachlosenfrühstück spendet!

„Wir feiern heut ein Fest. Und teilen miteinander.“, die erste und letzte Zeile des gemeinsam gesungenen Kirchenliedes lädt am Ende des Gottesdienstes zum Frühstück an der festlich gedeckten Tafel zum Abschluss der 21. Saison des Hamelner Obdachlosenfrühstücks ein. Bei der defekten Heizung tut allen nun ein heißes Getränk gut. Und doch ist es weit mehr: Selten habe ich eine derart menschliche Wärme verspürt wie an diesem kalten Freitagmorgen in der Hamelner Marktkirche.

Hameln im März 2018 / Text und Fotos: Heike Beckmann, Öffentlichkeitsbeauftragte im Kirchenkreis Hameln-Pyrmont