Geistliche Impulse

Gedanken zum Advent

In Skandinavien leben die glücklichsten Menschen. Warum? Dänemark, das viele Jahre Platz eins auf der Glücklichkeitsskala belegt hat, kennt ein besonderes Wort für dieses Phänomen: Hygge.

Hygge kann man nicht übersetzen. Hygge ist Wohlgefühl, Gemütlichkeit, Zeit mit Familie und Freunden, Geborgenheit, Entspannung, Licht, Wärme. Es gibt im Deutschen keinen Begriff, der Hygge gleichkommt. Hygge ist einfach ein Gefühl, das glücklich macht. Auch wenn Deutschland erst auf Platz 16 der glücklichsten Länder gelistet wird, so gibt es doch bei uns eine besondere heimelige Zeit im Jahr, die mit Hygge vergleichbar ist, der Advent.

Gestern beim Spaziergang durch den Ort: Überall Menschen, die Lichter aufhängen, Holzhütten für den Weihnachtsmarkt schmücken, Sterne in den Fenstern anbringen. Weihnachtsfeiern werden in den Firmen und Seniorenheimen organisiert, die Kinder üben Krippenspiele ein, lebendige Adventskalender laden zum Verweilen ein, Geschenke werden liebevoll verpackt, mit Freunden trifft man sich auf den Weihnachtsmärkten und in den Gottesdiensten und Andachten werden endlich wieder die schönen Advents- und Weihnachtslieder gesungen.

24 Tage bis Weihnachten wird es so richtig hygge auch bei uns in Deutschland. Und egal, wie Sie auch dazu stehen, Sie kommen um dieses Gefühl nicht herum. Mir persönlich ist nicht so weihnachtlich zumute, ein lieber Mensch ist im letzten Jahr kurz vor Weihnachten verstorben. Die Erinnerung lastet schwer auf meinem Gemüt. Doch auch Trauer hat seinen Platz in der vorweihnachtlichen Zeit. Denn mit dem Advent kehrt die Hoffnung wieder in mein Leben ein. In der Freude auf die Geburt Jesu Christi, dem Retter der Welt, kann ich meine traurigen Gedanken beherbergen.

Und die Hoffnung von Weihnachten beginnt mit dem 1. Advent, dem Anfang des neuen Kirchenjahres. Ein Neubeginn auch für meine Sehnsüchte. Hoffnung ist Liebe zum Leben, Gott ist in unsere Welt gekommen, um uns seine Liebe zu schenken. Und die Liebe steht über allem, umarmt alle fröhlichen und traurigen Menschen, überschreitet Grenzen, Gewalt und Tod. Der Advent ist die sehnsuchtsvolle Suche nach Frieden – draußen in der Welt und innen in meinem Herzen.

Und so lasse ich es einfach zu, mehr brauche ich nicht zu tun. Ich genieße die Lichter auf den Straßen und in den Häusern, einen Abend vor dem wärmenden Kamin, den Spaziergang durch den Winterwald, das Lachen der Menschen auf dem Weihnachtsmarkt, die Vorfreude der Kinder, die das Weihnachtsfest kaum erwarten können, das Licht der flackernden Kerzen.

Adventus Domini: Wenn Gott zu mir kommen möchte, dann werde ich ihm mit all meiner Freude und all meinem Kummer fröhlich entgegengehen und ihn von ganzem Herzen begrüßen – in meinem Leben.

Mit dem Advent kehrt auch bei mir, bei uns allen, Hygge ein. Und das ist ein Geschenk Gottes!
Eine hyggelige Vorweihnachtszeit Ihnen allen
wünscht

Heike Beckmann
Öffentlichkeitsbeauftrage und Fundraiserin im Kirchenkreis Hameln-Pyrmont

Mediathek | radio aktiv e.V.

Die Andachten werden bei dem Lokalsender radio aktiv e.V. von Montag bis Freitag morgens früh kurz nach sechs und neun Uhr ausgestrahlt. Alle Andachten finden Sie auch in der Mediathek zum Nachhören.

Mediathek | radio aktiv e.V.

Auf ein Wort – Andachten in Hallo MITTWOCH

„1, 2 oder 3? Du musst dich entscheiden. Drei Felder sind frei“, hieß es früher regelmäßig im ZDF. Die Felder mit den Zahlen blinkten im Fernsehstudio, während neun Kinder auf ihnen munter hin und her hüpften. Das berühmte „Plopp!“ von Moderator Michael Schanze beendete die Zeit zum Überlegen. „Ob Ihr wirklich richtig steht, seht Ihr, wenn das Licht angeht!“. Der Spruch hat sich in die Köpfe einer Generation eingebrannt.

Wir Menschen müssen täglich unzählige Entscheidungen treffen. Manche davon wie „Nehme ich Honig oder Marmelade aufs Brot? Oder esse ich heute Morgen lieber Müsli?“ sind am Ende nicht so entscheidend. Die Antwort hat nur begrenzte Auswirkungen auf den weiteren Tagesverlauf.

Andere Fragen sind Lebensfragen. Es fällt schwerer, die richtige Antwort zu finden. Im ganzen Landkreis beenden Mädchen und Jungen in diesen Tagen ihre Schulkarriere. „Nie wieder Sommerferien!“ heißt zugleich „Was nun?“ Die meisten haben sich  längst entschieden, wie es weitergeht. Für einige war das echt schwer. Schließlich gibt es mehr als nur die drei Antwortmöglichkeiten wie bei Michael Schanze. In der Kinderratesendung ging hinterher auf nur einem Feld das Licht an. Wer dort nicht stand, war falsch! Es bestand keine Chance mehr, die Fehler zu verbessern. Die Kinder konnten die richtige Antwort entweder wissen oder raten. Bei den großen Fragen des Lebens ist das nicht so einfach.

Im Leben geht es vielfach darum, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Wenn in der Bibel von einem weisen Menschen die Rede ist, hat diese Person nicht zwangsläufig einen hohen IQ, sondern in Gottes Augen die richtigen Entscheidungen getroffen.

Ich kann nur dazu ermuntern, gerade im Blick auf die schwierigen Fragen mit Gott im Gespräch zu bleiben. Er schenkt uns sogar die Chance, neu anzufangen, sollten wir auf dem falschen Feld im Leben stehen, wenn das Licht angeht. Auch eine Sackgasse bedeutet für Gott nicht das Ende eines Weges. Er befreit von Schuld und gibt dadurch inneren Frieden. Dieser Gedanke entlastet und gibt Kraft, mutig an den Weggabelungen des Lebens in die Zukunft zu gehen.

Simon Pabst, Pastor der evangelisch-lutherischen St. Johannis-Kirchengemeinde, Groß Berkel